CW-Kolumne

Auf der Suche nach dem Money-Making CIO

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Gartner-Analysten bilden bekanntlich die Speerspitze, wenn es um das Erfinden neuer Buzzwords geht. Auf dem Gartner Symposium ITxpo in Cannes war es wieder einmal soweit. Im Mittelpunkt diesmal: der "Money-Making CIO"

Was sich hinter dem Begriff verbirgt, erklären die Gartner-Experten so: In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit reiche es nicht mehr aus, wenn der CIO sich um einen effizienten Betrieb kümmert und den Fachabteilungen die benötigten Applikationen für deren Kernprozesse zur Verfügung stellt (siehe auch: Der klassische CIO ist tot). Vielmehr müsse der IT-Chef neuer Prägung danach streben, mit Hilfe von IT neue Geschäftsmöglichkeiten zu identifizieren und daraus im Idealfall direkt Umsatz schöpfen. Schon im Jahr 2015 werde sich die Entlohnung der meisten neu berufenen CIOs in den 2000 größten Unternehmen direkt an dem durch IT generierten Umsatz pro Jahr bemessen, lautet ihre Prognose. Die IT müsse deshalb künftig beispielsweise direkt in der Produkt- und Serviceentwicklung mitwirken.

"Ist der CIO noch CIO, wenn er alles wegdelegiert, was bisher sein Butter- und Brotgeschäft war?" Wolfgang Herrmann, stellv. CW-Chefredakteur
"Ist der CIO noch CIO, wenn er alles wegdelegiert, was bisher sein Butter- und Brotgeschäft war?" Wolfgang Herrmann, stellv. CW-Chefredakteur

Als leuchtendes Beispiel zitieren sie den neuen CIO von General Motors, Terry Kline. Er habe sein IT-Team angewiesen, sich nicht mehr um so banale Dinge wie Virtualisierung, Windows 7 oder VoIP-Telefone zu kümmern. Vielmehr solle sich die Mannschaft auf eine einzige Frage konzentrieren: "Was tun wir dafür, um Autos zu verkaufen?" In Europa sei bislang kein ähnliches Beispiel eines CIO bekannt, räumen die Analysten ein. So steht zu befürchten, dass der Money-Making CIOs hierzulande bis auf weiteres eine gesuchte Spezies bleibt.

Wie so oft begnügen sich die Auguren nicht mit einem neuen Schlagwort, sondern kreieren auch gleich diverse Variationen. Im Kontext des Money-Making CIO sehen sie verschiedene Ausprägungen ("Styles") des Money-Making CIO. So sei künftig etwa der "Entrepreneur CIO", der "Revenue-Searching CIO" oder gar der "Business Development CIO" anzutreffen. Was genau sich dahinter verbirgt, werde gerade aufgeschrieben, teilt Gartner auf Anfrage mit. Man darf also gespannt sein. Auch auf die Frage, wie der "neue CIO" all diese Aufgaben neben dem klassischen IT-Betrieb stemmen soll, haben die smarten Analysten eine simple Antwort: Delegieren! Doch ist der CIO noch CIO, wenn er schlicht alles wegdelegiert, was bisher sein Butter- und Brotgeschäft war? Braucht er eine Art operativen CIO, der lästige Aufgaben wie Standardisieren, Konsolidieren oder Virtualisieren der IT-Systeme abwickelt? Und wäre dann seine Rolle nicht eher die eines Chief Alignment Officers?

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