Perfect Match

Auf der Suche nach dem idealen Kandidaten

Alexander Freimark wechselte 2009 von der Redaktion der Computerwoche in die Freiberuflichkeit. Er schreibt für Medien und Unternehmen, sein Auftragsschwerpunkt liegt im Corporate Publishing. Dabei stehen technologische Innovationen im Fokus, aber auch der Wandel von Organisationen, Märkten und Menschen.
Passgenaue Profile, kurze Reaktionszeiten und effiziente Prozesse der Personaldienstleister entscheiden maßgeblich über die Auswahl von IT-Freiberuflern.

Rund 100.000 IT-Freiberufler sind in Deutschland tätig, und einer von ihnen ist garantiert der ideale Kandidat: Er hat Zeit, mag die Herausforderung und verlangt nicht zu viel. Zudem stimmen Projekthistorie, Persönlichkeit, Skills sowie Branchenerfahrung, was in vielen Referenzen zufriedener Auftraggeber bestätigt wird.

Der perfekte Treffer - bei der Auswahl von IT-Freiberuflern gar nicht so einfach.
Der perfekte Treffer - bei der Auswahl von IT-Freiberuflern gar nicht so einfach.
Foto: Artbox-shutterstock.com

Er ist die ideale Besetzung für das Projekt - aber immer auch ein Ergebnis harter Arbeit des Personaldienstleisters: "Wir streben stets nach dem ,Perfect Match` zwischen Auftraggeber und Kandidaten", sagt Nikolaus Reuter, Vorstandsvorsitzender des Personaldienstleisters Etengo. Seiner Ansicht nach ist es bei der Vermittlung von Freiberuflern ein Fehler, den Kunden möglichst viele Kandidatenprofile zu liefern und ihnen dann die mühsame Auswahl zu überlassen. Qualität, so das Credo der Branche, geht eindeutig vor Quantität.

Die aktuelle IT-Freiberufler-Studie der COMPUTERWOCHE bestätigt den langfristigen Trend. Demnach ist die Qualität der vorgestellten Freelancer-Profile das wichtigste Entscheidungskriterium für Auftraggeber. Hingegen sind die Menge der vorgelegten Profile, die Größe des Freelancer-Pools eines Vermittlers und die Zahl der an der Ausschreibung teilnehmenden Dienstleister nur von nachrangiger Bedeutung.

Anspruchsvolle Freiberufler

Aber auch die Freiberufler erwarten mittlerweile einen hohen Qualitätsstandard von ihren Dienstleistern, sagt Etengo-Vorstand Reuter: "Nur wer wirtschaftlich wie inhaltlich interessante Projektangebote unterbreiten kann und hochwertige Abwicklungsprozesse hat, kommt bei den gefragten Experten überhaupt als Partner in Frage." Dies manifestiere sich beispielsweise in Form einer verlässlichen und schnellen Bezahlung, die für den Freiberufler überaus relevant sei.

Die umgehende Überweisung als wichtiges Kriterium führt auch Hubert Staudt an, Vorstandsvorsitzender der top itservices AG in München. Zudem gebe der Dienstleister seinen Kandidaten eine "Feedback-Garantie", wonach die Freiberufler des Unternehmens durch ihren "persönlichen Recruiter" immer zeitnah über den Prozessstand informiert würden. Schließlich müsse man inzwischen Leistungen anbieten können, die über den Abgleich der passenden Skills als Grundvoraussetzung hinausreichen, berichtet Staudt: "Unsere Kunden fordern mehr und mehr von uns, dass wir motivierte Experten vorschlagen, die in das jeweilige Projektteam passen."

Jedoch ist klar: Der freundliche Charakter der künftigen Kollegen allein reicht nicht aus, um die ideale Besetzung zu finden. "Eine hohe Qualität des Freelancers, die über die passenden Referenzen belegt wird, steht nach wie vor an erster Stelle", sagt Christian Steeg, Director Contracting bei der Hays AG. Hier gelte es vor allem, die Anforderungen der Kunden an die Kompetenzen der Freiberufler zu verstehen und die passenden Kandidaten vorzuschlagen. Im Idealfall, so Steeg, bringt der Kandidat exakt die technische Erfahrung mit, die vom Kunden gefordert wird - garniert mit einer Portion Branchenerfahrung. Doch jede Medaille hat zwei Seiten: "Freiberufler haben eine ähnlich hohe Erwartungshaltung und möchten ebenfalls in den Projekten aktiv sein, die am besten zu ihrem Profil passen", argumentiert Steeg. Gelinge dies, entstehe eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten - "ein perfektes Matching".

Reine Personalbeschaffung ohne Zukunft

Die "Nähe" der Partner ist ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg, berichtet Sven Herzberg, Vorstandssprecher der Goetzfried AG: "Das A und O in der Vermittlung von Freiberuflern liegt im engen Kontakt und Austausch der Beteiligten." Nur das Profil in einer Datenbank zu hinterlegen, reiche heutzutage bei Weitem nicht mehr aus: "Die Zeiten der reinen Personalbeschaffung sind vorbei, dafür sind die Skill-Sets zu vielfältig und die Aufgaben zu umfangreich geworden." Auftraggeber suchten heute nach verantwortlichen und partnerschaftlichen Dienstleistern, die ihnen einen Mehrwert bieten und zur Wertschöpfung beitragen. Dabei hätten auch die Kunden entscheidenden Anteil an einer erfolgreichen Besetzung, so Herzberg: "Ihre Erwartungen und Anforderungen müssen im Vorfeld des Projekts klar formuliert und umfänglich dokumentiert werden."

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b steeb

IT Freiberufler gehören in der Regel zu den besten Profis in ihrem Bereich. Ich habe selten etwas Anderes kennengelernt.

Eine Agentur muss aber auch eine Vermittlungsleistung erbringen können, welche nicht nur administrativ ist und nur einseitig dem Projektanbieter (immer mehr) Vorteile bringt.

Und genau deshalb ist der Kundenbereich für Freiberufler eher im Mittelstand bei eigens aquirierten Projekten zu suchen als bei den (Groß-)Kunden der Agenturen. Das war aber auch schon immer so.

Argonaud

Die Frage ist doch, ob Auftraggeber auch ohne die Tätigkeit der Vermittler geeignetes Personal finden würden. Und die Erfahrungen zeigen: ja!

Neben den Bemühungen einiger Vermittler, ist dieses Feld heute -gerade für Freiberufler- mit viel Demütigung und noch mehr Abhängigkeit verbunden, da insbesondere größere Auftraggeber die Suche nach Personal nahezu komplett abgegeben haben; oft ein Fehler.

So erreichte mich heute ein Projektangebot, inhaltlich interessant, welches für einen Kunden, also einem Auftraggeber ausgelegt sein soll. Dummerweise verfüge ich über Insider-Kenntnisse bzgl. des Projektes und weiß definitiv, dass der Vermittler 0,0 als Lieferant gelistet ist. Hier scheint dieser Vermittler zum Zwecke des Füllens der eigenen Profildatenbank in die Rolle eines Jägers und Sammlers geschlüpft zu sein und suggeriert Freiberuflern, dick im Geschäft zu sein. Ein Einzelfall? Gerade für die fragliche Ausschreibung ist das innerhalb einer Woche die dritte E-Mail von insgesamt drei Vermittlern.

Nur zum Schein habe ich Interesse angemeldet. Der Weg der dann beschritten werden sollte, ist so durchsichtig wie brotlos: 1. Key-Words im Profil; 2. Branchenkenntnisse; 3. Preis/Konditionen.

Und spätestens dann kracht es im Gebälk. Senior Anforderungen - Junior Konditionen. Wer da als Freiberufler mitmacht, ist selbst dran schuld.

Und bitte liebe Autoren: der Beitrag von Ihnen beleuchtet nur eine Seite dieser Medaille und fast die dunkle Seite des "Sandwich-Geschäftsmodells" der Vermittler aus. Da hätte ich mehr von der Computerwoche erwartet.

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