CeBIT 2014

Auf der Suche nach dem Big-Data-Potenzial

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
In den Daten der Unternehmen schlummert großes Potenzial - vermuten vom VDI befragte Experten. Unklar ist, wie es gehoben wird, welche Geschäftsmöglichkeiten sich damit auftun und wie die Sicherheit gewährleistet werden kann.

Die regelmäßige Befragung des VDI (Verein deutscher Ingenieure) im Vorfeld der CeBIT hat sich in diesem Jahr auch dem Messemotto "Datability" gewidmet. Erstmals wurden die Themen "Big Data" und "Industrie 4.0" in die Frageliste nach den bedeutendsten Trends aufgenommen. Den Umgang mit großen Datenmengen erachten demnach knapp 30 Prozent der Befragten als wichtig, rund 35 Prozent sagten das gleiche über die vernetzte Produktion.

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"Industrie 4.0 ist für uns Ingenieure ein wichtiges Thema", betonte Dieter Westerkamp, Bereichsleiter Technik und Wissenschaft im VDI, auf der CeBIT. Am meisten beschäftigt die Ingenieure aber die IT-Sicherheit. Vermutlich haben nicht zuletzt die Snowden-Enthüllungen dafür gesorgt, dass deutlich über 60 Prozent die Security als größten, aktuellen IT-Trend bezeichneten. Im Vorjahr waren es unter 50 Prozent. Der VDI registriert diese Entwicklung durchaus mit Wohlwollen. "Die Sensibilität ist deutlich gestiegen", beobachtete Westerkamp. "Das halten wir für eine gute Botschaft."

Standort Deutschland profitiert von Big Data

Der Umgang mit Big Data variiert erheblich zwischen großen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs). Ab einem Datenvolumen von 100 Terabyte reden die Konzerne über Big Data. Die KMUs definieren bereits die Verarbeitung von einem Terabyte als Big Data. Ebenso unterschiedlich fällt der aktuelle Nutzungsgrad in den zwei Größenklassen aus. Während schon fast 70 Prozent der großen Unternehmen Big-Data-Projekte betreiben, sind es unter den KMUs weniger als die Hälfte.

Über alle Größenklassen hinweg wird der Massendatenverarbeitung erhebliches Potenzial eingeräumt. 65 Prozent der Befragten gaben zu Protokoll, dass sie die Möglichkeiten von Big Data für den Standort Deutschland als hoch oder sehr hoch einschätzen. Nur knapp neun Prozent halten den Trubel für übertrieben.

Im eigenen Unternehmen wird weniger Nutzen gesehen

Befragt nach dem Potenzial für das eigene Unternehmen verschiebt sich das Bild dagegen ein wenig. Rund 40 Prozent können heute schon mit dem Datenberg derart umgehen, dass das Kerngeschäft profitiert. Knapp 30 sehen derzeit keine Möglichkeit, die Informationsflut gewinnbringend auszuwerten. Bei der Frage, welches Potenzial Big Data der eigenen Organisation in fünf Jahren bietet, schnellt die Zahl der Skeptiker erstaunlicherweise in die Höhe. Fast die Hälfte der Befragten schätzen die Möglichkeiten der Analyse großer Datenmengen in Zukunft als gering und sehr gering ein. "Das Potenzial wird nicht schlechter. Der Nutzen wird in fünf Jahren Einzug gehalten haben", lautet die Interpretation vom VDI-Experten Westerkamp.

Maschinenbau verfolgt konkrete Pläne

Ein genauer Blick in die einzelnen Branchen zeigt, dass insbesondere im Maschinenbau großes Interesse besteht. Hier hofft die Mehrzahl der Befragten auf positive Effekte in der Fehlerdiagnose und Prozessverbesserung sowie in der Optimierung der Produktion. Ein wichtiges Ziel der Big-Data-Projekte besteht des Weiteren in der Fehlerfrüherkennung, um Maschinen schon vor drohenden Produktionsstillstand instand setzen zu können.

"Wo Licht ist, gibt es auch Schatten: 74 Prozent der Befragten schätzen die mit Big Data verbundenen Risiken als hoch oder sehr hoch ein", warnte Westerkamp. Als Problematisch erachtet der VDI zudem, dass rund ein Viertel der Befragten sich schlecht informiert fühlt. Sie haben damit Schwierigkeiten, das Potenzial von Big Data für ihr Unternehmen einschätzen zu können.