Auf Antrag der Duisburger Softshop GmbH: Landgericht unterbindet die Werbekampagne von "Hoerzu" Von CW-Mitarbeiter Alexander Deindl

26.11.1993

MUENCHEN - Mit dem Mitte 1993 in diversen Fachzeitschriften geschalteten Werbeslogan "Vollprogramme zum Light-Preis" hat sich der Hamburger Geschaeftsbereich "Hoerzu-Software" des Axel Springer Verlags Aerger eingehandelt. Dem Reklame-Engagement der Norddeutschen in dieser Form wurde auf Antrag des Distributors Softshop GmbH gerichtlich ein Riegel vorgeschoben.

Seit Juli dieses Jahres wirbt die Software-Abteilung der Zeitschrift Hoerzu in verschiedenen Publikationen mit dem Spruch "Vollprogramme zum Light-Preis". Dabei handelt es sich nach Informationen des Hamburger Distributors DTP-Partner GmbH um acht verbilligte Ausfuehrungen von Applikationen wie beispielsweise "Wordstar plus Ultrafax", "Wordperfect Works" oder dem "Norton Commander 4.0" (siehe CW Nr. 29 vom 16. Juli 1993, Seite 12: "Fernsehmagazin Hoerzu steigt in das Software- geschaeft ein").

Nach Angaben der Duisburger Softshop GmbH betreibt Hoerzu damit "eindeutig unlauteren Wettbewerb auf Kosten Tausender Softwarehaendler". Der Norton Commander 4.0 beispielsweise werde mit rund 90 Mark - statt 200 Mark - um etwa 60 Prozent unter dem Marktpreis angeboten. Entgegen der Hoerzu-Reklame, das Paket sei ein Vollprogramm, enthalte das Utility aber weder die Funktion "Viewer" noch das Terminal-Kommunikationsprogramm, kritisiert Juergen Carpentier, Geschaeftsfuehrer der Duisburger Softshop GmbH. Auch Funktionen zur parallelen Datenuebertragung seien nicht vorhanden.

Auf Antrag von Carpentier habe das Landgericht Duisburg nun eine Fortsetzung der Werbekampagne unter Androhung einer Ordnungsstrafe von 500 000 Mark untersagt. Der Geschaeftsfuehrer zieht zudem weitere Massnahmen in Erwaegung: "Ich behalte mir vor, auch den Produktverkauf zu stoppen."

Thomas Baur, Geschaeftsfuehrer des Distributors DTP-Partner und Anbieter der umstrittenen Hoerzu-Pakete, haelt die Vorwuerfe fuer unberechtigt: Es sei zwar richtig, dass eine einstweilige Verfuegung in Kraft getreten ist - die Kampagne selbst wuerde jedoch nicht gestoppt. Lediglich der Text einer einzigen Anzeige muesse geaendert werden, so Baur. Wie Georg Faerber, Rechtsanwalt der DTP-Partner GmbH beteuert, handelt es sich, abgesehen vom Norton Commander 4.0, bei saemtlichen angebotenen Low-Cost-Applikationen um Vollprogramme.

Auf der Verpackung des Werkzeugs von Symantec befindet sich ein Sternchen, das auf die abgespeckte Funktionalitaet der Norton- Version hinweisen soll. "Wir werden Widerspruch einlegen", kuendigt Faerber an.