Audi baut eine Enterprise Architecture

28.06.2007
Von Ann-Kristin Koch 
Um das Zusammenspiel von IT und Geschäftsprozessen zu verbessern, arbeitet der Automobilhersteller an einer konzernweit einheitlichen Lösung für das Enterprise-Architecture-Management.

Die Ingolstädter Audi AG bemüht sich intensiv um eine engere Verknüpfung zwischen IT und Business. "Wir entwickeln gerade einen Bebauungsplan für die vier Kernprozesse bei Audi", erläutert Chief Architect Mathias Stach. "Damit schaffen wir nicht nur Transparenz über unsere IT-Landschaft, sondern können auch gemeinsam mit den Fachbereichen intensiver über die zukünftigen Applikationslandschaften sprechen und über einzusetzende Technologien entscheiden."

Hier lesen Sie ...

wie Audi das Thema Enterprise Architecture angeht;

welche Vorteile eine einheitliche EAM-Lösung bringt;

welche Rolle IT-Architekten dabei spielen.

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Der Automobilkonzern will zu diesem Zweck eine Reihe zusätzlicher IT-Architekten ausbilden. Er reagiert damit auf die veränderten Anforderungen an die IT: "Ziel ist es, die Wertschöpfung der IT weiter zu erhöhen. Hierfür bedarf es auch veränderter IT-Skills", sagt Stach.

IT-Architekturen gesucht

Das Berufsbild des IT-Architekten berücksichtigt Audi künftig explizit im neu gestalteten Entgeltrahmenabkommen mit zugehörigen Karrierepfaden. Das Konzept der Enterprise Architecture ist ein wesentlicher Baustein der IT-Organisation, um die Audi-Strategie 2015 zu unterstützen. Der zum VW-Konzern gehörende Autobauer hat das Ziel, der erfolgreichste Premium-Automobilhersteller der Welt zu werden. Vier strategische Bausteine stehen dabei im Vordergrund: die Kundenzufriedenheit, attraktivster Arbeitgeber zu werden, die Erhöhung der Kapitalrendite und eine Steigerung der jährlich verkauften Fahrzeuge auf 1,5 Millionen bis zum Jahr 2015.

"Enterprise-Architecture-Management ist das Werkzeug für die CIO-Organisation", erläutert Audi-CIO Klaus Straub. Wegen der über viele Jahre gewachsenen heterogenen IT-Landschaft sieht sich das Unternehmen gezwungen, Systeme zu standardisieren und die Anzahl der Applikationen zu reduzieren. Straub: "Der hohe Eigenentwicklungsanteil und die permanenten Weiterentwicklungen vieler Applikationen erhöhen die Aufwendungen im IT-Betrieb, denen dringend durch komplexitätsreduzierende Maßnahmen entgegengewirkt werden muss."

Audi baut deshalb eine einheitliche Architektur-Management-Lösung auf, die wiederverwendbare Bausteine, die Ist- und Soll-Bebauung, Applikationsverzeichnisse und sämtliche IT-Standards enthält. Das ehrgeizige Ziel: Auf Knopfdruck sollen rund 20 000 Benutzer über einen Web-Client eine durchgängige Sicht auf die Applikationslandschaft und deren Abhängigkeiten erhalten. Schon heute benötigen IT-Projekte eine Architekturfreigabe, in der Standards und Strategiekonformität bestätigt werden.

Dieses Vorgehen war nicht von heute auf morgen umzusetzen. Bereits seit vielen Jahren folgt Audi einem prozessorientierten IT-Ansatz und setzt dabei unter anderem auf die Aris Platform des BPM-Spezialisten IDS Scheer (BPM = Business Process Management). Die Mitarbeiter der Abteilung Prozess-Management erheben und optimieren gemeinsam mit den Fachbereichen die Unternehmensprozesse entlang den Wertschöpfungsketten.

Prozess-Management

"Seit zwei Jahren besteht hier eine intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem IT-Architektur-Management", berichtet Martin Turinsky, Leiter Prozess-Management bei Audi. Das Prozess-Management hat hier die Aufgabe, die Integration der Aris-Prozessmodellierung mit der Aris-IT-Architekturlösung sicherzustellen. Daraus entsteht ein übergreifendes Werkzeug für Enterprise Achitecture und IT-Governance. Das Tool bildet alle notwendigen Planungsprozesse ab, angefangen von der Dokumentation der Ist-Architektur und deren Analyse bis hin zur Zielbebauung.

Im ersten Schritt nehmen die IT-Architekten die Ist-Bebauung auf. Dabei gleichen IT- und Fachabteilungen Prozesse wie zum Beispiel die Kundenauftragserteilung mit den entsprechenden Applikationen ab. Jedes System erhält einen Steckbrief, der laufend gepflegt und aktualisiert wird. Steht etwa bei einer Applikation der Wechsel einer darunterliegenden Datenbank an, wird dies im Systemsteckbrief nachgezogen.

Bebauungsplan für die IT

Im zweiten Schritt setzt das Team die strategische Zielbebauung im EAM-System auf (EAM = Enterprise-Architecture-Management). Im Mittelpunkt dabei stehen die Fragen: Welche Standardtechniken werden eingesetzt? Welche Lösungen unterstützen die Fachprozesse optimal? Daraus entsteht für jeden Kernprozess ein Master Construction Plan, also der Bebauungsplan für die Kernprozesse "Produktprozess" (PP), "Kundenauftragsprozess" (KAP), "Serviceprozess vor Kunde" (SPK) sowie "Steuerungs- und Unterstützungsprozesse" (SUP). Die Pläne greifen die Herausforderungen auf Business-Ebene auf und zeigen innerhalb von Quadranten-Matrizen, wie diese mit Applikationen optimal unterstützt werden. Das damit sichtbare Konsolidierungspotenzial ist hoch. Da es Überschneidungen der Anwendungen in den verschiedenen Prozessen gibt, wird die vom CIO angestrebte Reduzierung der Applikationen möglich.

Welche Techniken Gültigkeit haben, steht im "Book of Standards": "Der Leitfaden ist aufgebaut wie ein Haus: mit Stockwerken und Zimmern", erklärt Daniel Dressler, der bei Audi für das Werk verantwortlich zeichnet. Thematisch geordnet dokumentiert der Leitfaden die Standardtechniken des Automobilbauers: Datenbanken, Server und Middleware bis hin zu den Office-Produkten für den Audi-Standardarbeitsplatz. "So wird die Umsetzung eines IT-Projekts durch klar kommunizierte Standards deutlich erleichtert", sagt Dressler. Auch für Ausschreibungen nutzt Audi das "Book of Standards".

Konzernweiter Rollout

Mit der unternehmensweiten EAM-Lösung sieht sich Audi in einer Vorreiterrolle, wenn es um die Ausrichtung der IT an Geschäftsprozessen geht. Der Rollout des Systems steht jetzt für den gesamten Volkswagen-Konzern an. "Die IT ist transparent und trägt dadurch mehr zur Wertschöpfung bei", resümiert Stach. Darüber hinaus hat die Audi-IT mit dem durchgängigen Bebauungsplan auch das Fundament für die Service-orientierte Architektur (SOA) gelegt. Stach: "Die Verknüpfung der IT mit den Prozessen ist absolute Basisarbeit für SOA." Die ersten zehn Web-Services der Ingolstädter sind bereits beschrieben und abgelegt. (wh)