Angeschlagene Headhunter

Auch Personalberater erreicht die Krise

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Personalberater erwarten für das laufende Jahr ein schwieriges Geschäft. Auf dem elften deutschen Personalberatertag in Königswinter bei Bonn sagte Wolfgang Lichius, Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Personalberatung, dass man in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang von durchschnittlich 20 Prozent rechne.

Bei einigen Headhuntern mache das Minus 30 und 40 Prozent aus, andere wiederum mussten entlassen oder sogar Insolvenz anmelden. Als weiteren Beleg für die nicht ganz einfache Lage zitierte Lichius den BDU-Geschäftsklima-Index für Personalberater. Dieser fiel von plus 51,5 im Februar 2008 auf minus 29,1 im Februar 2009. Die Zahlen verdeutlichen, "wie schnell die Auftraggeber aus Industrie und Wirtschaft auf die Zuspitzung der Krise in ihrer Personalpolitik reagiert haben", so der BDU-Fachvorsitzende. Im April 2009 hat sich die Situation leicht verbessert, der BDU-Geschäftsklima-Indexwert ist wieder auf minus 14,4 angestiegen.

Krisen-Manager sind gesucht

Lichius wies darauf hin, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vor allem Fach- und Führungskräfte gefragt seien, die Erfahrungswissen im Umgang mit Krisen und Konsolidierungen in den neuen Job mitbringen sollten. Das bedeutet laut BDU, dass sich das Anforderungsprofil der Auftraggeber von Personalsuchprojekten kräftig gewandelt habe. "In den vergangenen Boomjahren bis Mitte 2008 waren besonders Fach- und Führungskräfte mit Marketing- und Vertriebsqualifikationen gefragt", so Lichius. 31,7 Prozent der Suchaufträge entfielen 2008 auf diese Positionen (2007: rund 28 Prozent). Ebenso vergaben die Arbeitgeber 2008 vermehrt Suchaufträge für die Unternehmensbereiche Entwicklung und Produktion.

In knapp einem Fünftel aller Suchprojekte standen Kandidaten für technische Positionen auf der Wunschliste (2007: 14,4 Prozent). Im letzten Quartal 2008 und im ersten Quartal 2009 habe sich das Nachfrageverhalten der Unternehmen deutlich verschoben. "Angesichts der großen Herausforderungen hinsichtlich Liquidität, Ertragsverbesserung und strategischer Neuausrichtung sind aktuell vor allem Führungskräfte gefragt, die belastbare Nachweise ihrer Qualifikation auf diesen Gebieten vorweisen können", sagte Lichius. Auch Controlling-, Einkaufs- und Logistikprofis hätten bessere Jobchancen.