Codename "Cortana"

Auch Microsoft baut an einer virtuellen Assistentin

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Microsoft arbeitet unter dem Codenamen "Cortana" an einer virtuellen Assistentin, die unter anderem Apples "Siri" Konkurrenz machen soll.

Das berichtet die in Sachen Microsoft für gewöhnlich bestens informierte Mary Jo Foley bei "ZDNet". Bereits im Juni waren Screenshots von einem bei eBay gekauften Smartphone mit einer offenbar frühen Entwicklerversion von Windows Phone 8.1 aufgetaucht. Darauf gab es auch eine App namens "zCortana", der allerdings seinerzeit kaum Beachtung geschenkt wurde.

Zu Unrecht allerdings, glaubt Mary Jo Foley - dabei handele es sich nämlich um genau die Smartphone App, die Microsoft gegen Siri und Google Now ins Rennen schicken wolle (das vorangestellte "z" im Rahmen signalisiere einen Test-Build). Die "Blue"-Variante von Windows Phone soll im Frühjahr 2014 als Update für Windows Phone 8 erscheinen.

Halo-Spieler kennen Cortana seit vielen Jahren - so hat sie sich mit der Zeit weiterentwickelt.
Halo-Spieler kennen Cortana seit vielen Jahren - so hat sie sich mit der Zeit weiterentwickelt.
Foto: Tobias Ritter, Gamestar Online

Cortana ist der Name einer KI-Figur in Microsofts Spieleserie "Halo". Und ähnlich wie diese soll Microsofts virtuelle Assistentin lern- und anpassungsfähig sein. Als technischer Unterbau dienen ihr dazu Machine-Learning-Technik und die Wissensdatenbank "Satori", auf die auch die Redmonder Suchplattform "Bing" zurückgreift.

Cortana soll allerdings deutlich weiter gehen als Sprachinteraktion mit dem Mobiltelefon, heißt es in dem Bericht weiter. Die Assistenztechnik sei vielmehr Kern einer umfassenden Überarbeitung der gesamten "Shell" (sprich der Kerndienste und -bedienung) künftiger Versionen von Windows Phone, Windows und Xbox, bekam Foley von Microsoft-Insidern gesteckt.

Versteckte Hinweise auf Cortana will Foley auch in Steve Ballmers Ankündigung zum Microsoft-Umbau im Juli gefunden haben. Der scheidende CEO spricht darin von einer neuartigen "service-enabeld shell". Die werde in der Lage sein, Informationen (über zum Beispiel Personen, Orte und Dinge) zwischen allerlei Microsoft-Diensten zu vermitteln.

Über solche Pläne reden Microsoft-Manager und insbesondere Ballmer allerdings schon seit dem Jahr 2011. Ballmer sagte seinerzeit etwa, PC-Nutzer würden bald zu ihrem Rechner "Druck mir meine Bordkarte von Southwest" sagen können und der Rechner werde daraufhin entsprechend loslegen. Möglich wäre so etwas mit Bing, der Sprachtechnik "Tellme" sowie einer Kombination aus natürlicher Sprache und Social Graph.

Andere Microsoft-Manager hatten das allerdings relativiert und erklärt, eine derartige Lösung werde schwerlich vor irgendwann zwischen 2014 und 2016 auf den Markt kommen. Früher in diesem Sommer sagten Bing-Verantwortliche dann gegenüber dem Branchendienst "Cnet", Microsoft habe sich entschieden abzuwarten, bis es etwas wirklich Revolutionäres fertig habe, um eine derartige Assistenten-Technologie vorzustellen.

Cortana sei jedenfalls ein Grund mehr, dass Microsoft Bing nicht verkaufen werde, schließt Foley. Bing sei mehr als eine Web-Suchmaschine und liefere auch die Indexierung und Visualisierung für Microsofts künftige Betriebssysteme.