Auch Juniper will mehr vom Rechenzentrum

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Nach Cisco hat nun auch Juniper Networks mit dem Programm "Stratus" ambitionierte Pläne vorgestellt, um sich als Infrastrukturhersteller für das Rechenzentrum der Zukunft zu präsentieren.

Der Netzausrüster knüpft damit an seine im November 2008 begonnene Strategie an, als er unter dem Motto "Data Center Infrastructure Solutions" eine deutlich verschlankte Rechenzentrumsarchitektur auf Basis einer Kombination aus Produkten der EX-, MX- und SRX-Serie vorgestellt hatte. Mit der Stratus-Initiative will Juniper nun eine einheitliche Rechenzentrumsstruktur realisieren, die "einen Quantensprung in Skalierbarkeit, Performance und Einfachheit ermöglichen soll - mit der Flexibilität, vollkommen konvergente und virtualisierte Rechenzentrumsumgebungen zu unterstützen".

Details sind bislang Mangelware

Bislang sind allerdings nur wenige Details zu dem bereits vor einem Jahr begonnenen Stratus-Projekt bekannt. Wie David Yen, Enterprise Vice President der neu gegründeten Datacenter Business Group, auf der diesjährigen Analystenkonferenz von Juniper in New York erklärte, soll die geplante Struktur die Latenzzeit in Rechenzentrumsnetzen drastisch reduzieren und Sicherheits-Funktionen enthalten.

Um zudem die Komplexität großer Rechenzentren zu begrenzen, hat Juniper außerdem den intern entwickelten Monsterchip "Network Instruction Set Processor" vorgestellt. Dieser soll dazu beitragen, dass sich Stratus logisch wie ein einziger großer Junos-Switch verwalten lasse, versprach Yen: Die heutigen Legacy-Architekturen lähmten das Rechenzentrum, da Unternehmen die Zahl der laufenden Anwendungen, Server, Storage und den Netz-Traffic steigern wollten. Um gegen diesen Effekt anzukämpfen, habe Juniper das Netz von Grund auf neu überdacht und als eine langfristige Strategie eine einheitliche Rechenzentrumsstruktur entwickelt, die bis hin zu einem Mega-Datacenter skalierbar sei - während gleichzeitig die Kosten und die Komplexität bei der Verwaltung der Infrastruktur zurückgingen. Um das größtmögliche Potenzial zu erzielen, fuhr der Leiter der Datacenter Business Group fort, unterstütze Stratus auch Cloud Computing.

Details wie Produkte, Konfigurationen, Preise oder gar Verfügbarkeit wurden nicht bekannt, ebenso wenig wie die beim Stratus-Projekt kooperierenden Server-, Storage- und Softwareanbieter. Branchenkenner vermuten entsprechend, dass die Marktreife erst Ende 2010 oder Anfang 2011 erreicht sein wird - was angesichts der derzeitigen Rezession und der Verzögerungen bei Fiber Channel over Ethernet aber kein größeres Problem darstelle.

Reaktion auf Ciscos California-Projekt

Juniper-Manager Yen erklärte in diesem Zusammenhang, man gebe Stratus in erster Linie deswegen schon jetzt bekannt, damit Kunden es bei der langfristigen Planung ihrer Rechenzentrumsmigration berücksichtigen können. Juniper reagiert damit indirekt auf das "California"-Projekt, das Rivale Cisco vermutlich am 16. März in San Francisco offiziell vorstellen will. Im Zentrum der Initiative, mit der der Netzwerkriese den Bruch mit langjährigen Partnern wie IBM und HP riskiert, wird ein Blade-Server mit Linux-Betriebssystem und Virtualisierungsfunktionen vermutet.

Hoher Marktanteil steht Veränderungen entgegen

Was Juniper von dem Vorstoß des Konkurrenten hält, brachte Firmengründer und CTO Pradeep Sindhu auf der Analystenveranstaltung klar zum Ausdruck: Veränderungen würden nicht von Firmen gebracht, die 75 bis 80 Prozent Marktanteil aufwiesen, da sie kein Interesse an einer Veränderung des Status quo hätten, wird der Topmanager von US-Medien zitiert. (mb)