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Auch die Bundesverwaltung macht auf SOA

10.07.2007
Das Bundesinnenministerium hat ein IT-Architekturkonzept für die Bundesverwaltung vorgelegt. Darin wird auch beschrieben, wie die Bundesbehörden eine Service-orientierte Architekur aufbauen sollten.

Die Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik in der Bundesverwaltung (KBSt) hat mit dem "IT-Architekturkonzept für die Bundesverwaltung" einen Leitfaden vorgelegt, wie Behörden ihre Systemlandschaften künftig planen sollten. Ziel der Initiative ist, eine flexible und wirtschaftliche IT-Infrastruktur für den Betrieb von Fachanwendungen und zentralen Diensten zu schaffen.

Die Informations- und Kommunikationstechnik sei zur treibenden Kraft bei der Modernisierung von Staat und öffentlicher Verwaltung geworden, verlautete aus dem Innenministerium. Dies erfordere jedoch abgestimmte Entwurfsprinzipien beim Aufbau der entsprechenden IT-Systeme. Nur so ließen sich Wirtschaftlichkeit sowie Qualität der Dienste verbessern und damit der Nutzen für Bürger, Wirtschaft und Verwaltung erhöhen.

Dazu legen die KBSt-Verantwortlichen in ihrem Leitfaden Architektur- und Integrationsprinzipien fest, welche die Interoperabilität und Skalierbarkeit der verschiedenen IT-Systeme und die Wiederverwendbarkeit ihrer Dienste und Komponenten sicherstellen sollen. Auf diesen Prinzipien aufbauend definiert die IT-Behörde eine Referenzarchitektur für die Bundesverwaltung als den Rahmen, in den sich neu zu erstellende Systeme der Bundesverwaltung einordnen sollten. Außerdem zeigt die Referenzarchitektur, wie verschiedene Architekturprinzipien kombiniert werden könnten.

Diese Prinzipien ermöglichen, "IT-Infrastrukturen evolutionär und flexibel an sich schnell ändernde Anforderungen anzupassen und weiterzuentwickeln", heißt es in einer Mitteilung der KBSt. Diese Definition erinnert stark an die Argumentation von Softwareherstellern wie SAP, die sich seit Jahren bemühen, ihre Klientel von den Vorzügen einer Service-orientierten Architektur (SOA) zu überzeugen. Überhaupt hat die staatliche IT-Stelle im Innenministerium viele Anleihen bei den Softwareherstellern genommen und predigt Anforderungen, die im Einmaleins des SOA-Marketing zur Tagesordnung gehören. Dazu zählen Punkte wie: Erweiterbarkeit, Flexibilität, Interoperabilität, Offenheit, Performanz, Sicherheit, Skalierbarkeit, Verfügbarkeit, Wartbarkeit und Wiederverwendbarkeit.

In ihrem neuen Architekturkonzept entwerfen die KBSt-Verantwortlichen auch ein SOA-Referenzmodell.
In ihrem neuen Architekturkonzept entwerfen die KBSt-Verantwortlichen auch ein SOA-Referenzmodell.

"Bei der Bereitstellung elektronischer Dienstleistungen der Verwaltung soll eine Komposition und Nutzung von Diensten als bevorzugtes Architekturparadigma angewandt werden", lautet das Credo der KBSt-Verantwortlichen. Mit dieser Diensteorientierung will man offenbar die monolithischen Systeme aufbrechen, die nach wie vor die Anwendungslandschaft in den Behörden prägen. Die Verantwortlichen wollen dabei eine stärkere Wechselwirkung zwischen Anwendung und IT-Gesamtarchitektur erreichen. Neue Anwendungen könnten sich auf die Funktionen beschränken, die nicht bereits durch die in der Gesamtarchitekur vorhandenen Dienste abgedeckt werden. Neu entwickelte Services stünden darüber hinaus auch anderen Anwendungen zur Verfügung.

Doch der Weg der Bundesverwaltung zu einer SOA ist weit. Zunächst müssten die Behörden ihre bestehenden IT-Verfahren und Dienste analysieren und inventarisieren. Außerdem gelte es, die zugrunde liegenden Prozesse zu durchleuchten und zu optimieren. Mit der wachsenden Zahl der Services müsste dann ein zentrales Diensteverzeichnis eingeführt werden. Auch eine Art "Dienste-Broker" sei laut KBSt vorstellbar. In der finalen Ausbaustufe soll ein Enterprise Services Bus (ESB) die Behörden verbinden.

Bis es soweit ist, müssen die IT-Planer des Bundes noch eine Reihe von Hürden überwinden. Nach wie vor arbeiten viele Behörden mit Fachanwendungen, die vor 20 oder sogar 30 Jahren entwickelt wurden. Eine Ablösung dieser Altsysteme dürfte sich entsprechend schwierig gestalten. Darüber hinaus bleibt die Frage, inwieweit sich die KBSt mit ihrem Architekturkonzept durchsetzen kann. In dem Leitfaden ist oft die Rede davon, dass die Verwaltung die und jenes tun "sollte". Von "müssen" ist dagegen kaum die Rede. Viele Verwaltungen pochen nach wie vor auf ihre IT-Unabhängigkeit. Dazu kommt, dass die Verwaltung von Ländern und Kommunen, in der der Großteil des Behördenverkehrs mit Bürgern und Wirtschaft abgewickelt wird, in ihren IT-Entscheidungen autonom bleibt. Zwar bemühen sich die Verantwortlichen im Rahmen des "Deutschland-online"-Programms die IT-Interessen aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen, bislang allerdings mit wenig durchschlagendem Erfolg. Das ist auch mit ein Grund dafür, dass Deutschland in den internationalen Rankings für E-Government seit Jahren bestenfalls Mittelmaß erreicht.

Mehr zum Thema Service-orientierte Architekturen finden Sie im SOA-Expertenrat der COMPUTERWOCHE. (ba)