IT-Consulting

Auch Berater wollen mal nach Hause

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Consulting-Häuser suchen flexible, kundenorientierte und reisefreudige IT-Experten. Moderne Arbeitszeitmodelle sollen die Belastung dämpfen.

Der Wettbewerb um erstklassige IT-Berater wird immer intensiver. Nicht nur Consulting-Häuser suchen nach ihnen, sondern auch in Anwenderunternehmen stehen sie ebenfalls auf der Wunschliste ganz oben. Umgekehrt sind die Bewerber an den Angeboten der Industrieunternehmen überaus interessiert. Schließlich schreckt das stressige Beraterleben doch so manchen Hochkaräter ab.

Kai Oliver Schäfer, Vice President bei Capgemini: 'Den klassischen IT-Berater gibt es gar nicht.'
Kai Oliver Schäfer, Vice President bei Capgemini: 'Den klassischen IT-Berater gibt es gar nicht.'

Das haben einige Consulting-Häuser erkannt und steuern dagegen. So gibt es beispielsweise bei Capgemini Sabbaticals oder "Time-Out-Programme" zur flexiblen Karrieregestaltung. Aber auch auf der inhaltlichen Seite wirft die Branche einiges in die Waagschale. "Den klassischen IT-Berater gibt es gar nicht", meint Kai Oliver Schäfer, Vice President bei Capgemini. Dafür sei das Aufgabenfeld der IT-Beratung insgesamt zu breit gefächert. Zu den Aufgaben des Consultants gehören, so Schäfer, IT-Strategiethemen, IT-Organisation und Architekturen. Das Ganze setze sich dann fort über eine prozessorientierte SAP-Beratung bis hin zu Softwareingenieuren, die Individualsoftware entwickeln.

Der Capgemini-Manager: "Wenn wir schon vom klassischen Berater sprechen, dann ist er derjenige, der vormittags mit den Fachbereichsleitern einen Workshop zum Prozessdesign moderiert und steuert und am Nachmittag als Projektleiter mit den IT-Mitarbeitern des Kunden die Projekte entsprechend umsetzt." Damit sei das Spektrum doch etwas breiter als in den meisten IT-Linienfunktionen.

Anforderungen bleiben trotz Fachkräftemangels hoch

Auch wenn der Pool an Hochkarätern klein sei, verabschiedet sich Capgemini nicht von seinen qualitativen Anforderungen. So müssten die Kandidaten eine gewisse Basis mitbringen, auf der aufgebaut werden könne. Schäfer: "Wir achten bei der Rekrutierung nicht nur darauf, dass der Kandidat zu den Kollegen passt, sondern auch, dass er für die Interaktion mit Kunden und Kollegen geeignet ist." Schließlich werde gerade in der IT-Welt die Zusammenarbeit zwischen Kollegen aus allen Teilen der Welt immer wichtiger.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei das Change-Management. Der Capgemini-Mann: "Um in all diesen Bereichen erfolgreich agieren zu können, muss der IT-Berater neben dem technischen Know-how über soziale Kompetenzen verfügen." Das Unternehmen setzt gerade ein umfassendes internes Transformationsprogramm um. Damit sollen die Mitarbeiter für die kommenden Anforderungen in einer sich verändernden IT-Dienstleistungs- und Beratungslandschaft fit gemacht werden. Darunter fallen laut Schäfer die immer häufigere Arbeit in globalen und teilweise virtuellen Teams, das Thema Innovationen und nicht zuletzt auch die Nähe zu den Kunden.