Produktgeschäft, Consulting und Services stärker verzahnt

Atoss Software konzentriert sich auf die Kernthemen

30.07.2004

Mit einem Umsatz von 5,6 Millionen Euro hat Atoss das zweite Quartal im Rahmen der vergangenen Berichtszeiträume abgeschlossen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) belief sich nach vorläufigen Zahlen auf 450000 Euro, der Nettogewinn betrug 240000 Euro. Aufgrund einer Sonderdividende in Höhe von 1,50 Euro je Aktie reduzierte sich der Bestand an kurzfristig verfügbaren Mitteln von 33,6 Millionen auf 27,7 Millionen Euro. Für ein Unternehmen dieser Größenordnung ist das finanzielle Polster allerdings immer noch stattlich.

Die Geldreserven erklären sich daher, dass Atoss nach dem Börsengang vor vier Jahren nicht damit begonnen hat, im großen Stil andere Unternehmen zu kaufen. Laut Finanzvorstand Christof Leiber wurde zwar nach geeigneten Kandidaten Ausschau gehalten, das Preis-Leistungs-Verhältnis sprach jedoch oft gegen eine Transaktion. Letztlich kamen zwei Zukäufe zustande. Zudem hat Atoss Ende des Jahres 2000 einen Konsolidierungskurs eingeschlagen und sich auf die Kernbereiche konzentriert: "Nur dadurch können wir in der Nische erfolgreich sein", argumentiert Leiber.

Das gegenwärtig rund 180 Mitarbeiter zählende Unternehmen konzentriert sich auf die Bereiche Medical, Einzelhandel, Logistik und Produktion (Automotive und Nahrungs- und Genussmittel). Schwerpunkt mit knapp 90 Prozent Umsatzanteil ist der deutschsprachige Raum, und das soll auch vorerst so bleiben: "Mit einem Marktanteil von sieben bis zehn Prozent sind wir nicht zwingend auf das Wachstumspotenzial aus anderen Regionen angewiesen", sagt Leiber. Ein verstärktes Engagement im Ausland sei allerdings angebracht, "wenn wir die Umstrukturierung abgeschlossen haben". In diesem gegenwärtig laufenden Prozess sollen die Bereiche Produktgeschäft, Consulting und IT-Services stärker verzahnt werden. Dies hat sich nach Angaben des Finanzchefs im ersten Quartal auf die Auslastungsquoten ausgewirkt, etwa durch Trainings.

"Enormes Potenzial" verspricht sich Leiber von der auftragsbezogenen Personaleinsatzplanung, wie sie etwa bei der Meyer-Werft betrieben wird. Die Planungskomponente erhält Daten aus dem Produktionsplanungs- und Steuerungssystem (PPS), verarbeitet sie und gibt sie wieder zurück. Materialfluss und die Personaleinsatzplanung würden dadurch transparenter und steuerbar. "Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten und die Steigerung der Produktivität ist das Thema der Stunde", so der Finanzchef. Um die Kernprozesse in Deutschland zu halten, müssten sich Unternehmen damit beschäftigen.

Laut Informationen der Marktforscher von IDC können sich Anbieter von HR-Applikationen im laufenden Jahr etwas entspannen. Nach einem schwierigen Geschäft 2003 steuere die Branche in Westeuropa auf ein leichtes Wachstum zu. Auch Leiber rechnet damit, dass sich die Finanzen in der zweiten Jahreshälfte etwas verbessern. Der Umsatz und die Ebit-Marge des Vorjahres würden vermutlich jedoch nicht erreicht. "Wer profitabel wachsen will", bilanziert der Atoss-Finanzchef, "braucht manchmal länger, aber er kommt sicherer ans Ziel." (ajf)

Abb: Umsätze gehen auf und ab

Obwohl auch Atoss zuletzt leicht unter Druck geraten ist, konnte sich das Nettoergebnis stets in der Gewinnzone halten. Quelle: CW