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Atos Origin wächst nur durch Übernahmen

16.03.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der französische IT-Dienstleister Atos Origin hat seinen im Jahr 2004 erzielten Umsatz um 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 5,3 Milliarden Euro verbessert. Der kräftige Anstieg ist allein der Übernahme der IT-Aktivitäten von Schlumberger Sema geschuldet. Aus eigener Kraft legte Atos Origin bei den Einnahmen um weniger als ein Prozent zu.

Der Betriebsgewinn belief sich im vergangenen Jahr auf 385 Millionen Euro. Damit kann Atos Origin auf eine ordentliche Marge von 7,3 Prozent verweisen. Auf Proforma-Basis erzielten die fusionierten Unternehmen im Jahr 2003 eine Betriebsmarge von 5,9 Prozent, wobei Schlumberger Sema den Wert enorm belastete. Vor sich genommen erzielte Atos Origin im Jahr 2003 eine Gewinnspanne von 8,2 Prozent.

Im vergangenen Jahr konnte der IT-Dienstleister vor allem in Deutschland einige positive Akzente setzten. Große Outsourcing-Aufträge hat das Unternehmen etwa im Rahmen der Akquisition von Karstadt-Quelles IT-Tochter Itellium sowie mit E-Plus gewonnen. Nach wie vor drückt Atos Origin noch eine Schuldenlast von knapp 500 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten konnten aber immerhin während des abgelaufenen Geschäftsjahres um mehr als 200 Millionen Euro reduziert werden. Bis Ende dieses Jahres will das Unternehmen die Schulden auf 350 Millionen Euro reduzieren.

Die Bücher sind mit einem Auftragsbestand von 6,8 Milliarden Euro gut gefüllt. Sie sind jedoch nicht so gut bestückt, dass sich Marktbeobachter davon beeindrucken lassen würden. Ovum-Analyst Dominique Raviart verwies beispielsweise auf den französischen IT-Dienstleister Capgemini, der auf Bestellungen im Wert von elf Milliarden Euro verweisen kann.

Bei der Präsentation der Zahlen deutete Atos-Origin-CEO Bernard Bourigeaud zumindest eine zeitweilige Abkehr von der Unternehmensstrategie der vergangenen Jahre an. Wie kaum ein anderer IT-Dienstleister ist Atos Origin durch Merger und Akquisitionen gewachsen. Vor fünf Jahre beschränkte sich die Präsenz von Atos fast ausschließlich auf Frankreich, heute kann das Unternehmen auf gute Geschäfte im Heimatland Frankreich sowie in Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland verweisen. Doch an weitere große Akquisitionen denkt derzeit offenbar niemand im Unternehmen: 2005 wolle man sich auf organisches Wachstum konzentrieren und strebe ein Einnahmeplus von fünf Prozent an, sagte CEO Bourigeaud. Die Gewinnspanne soll sich auf 7,5 bis acht Prozent belaufen. (jha)