ATM-Gebuehren ab sofort reduziert Telekom poliert ihr Image mit Infobahn und Videopiloten auf

24.02.1995

BERLIN (pg) - Berlin mausert sich auch in Sachen Telekommunikation zur Hauptstadt Deutschlands. Gleich mit zwei Projekten macht die Metropole beziehungsweise die Telekom jetzt Schlagzeilen: Zum einen mit der Inbetriebnahme des Information-Highways zwischen Berlin und Brandenburg, zum anderen durch den Startschuss fuer das Pilotprojekt "Interaktive Video-Dienste".

Telegen gab Eberhard Diepgen mit dem obligatorischen Knopfdruck die Datenautobahn zwischen der Hauptstadt und Brandenburg frei. Berlin knuepfe damit, so Diepgen, an alte Traditionen an. Mit der Nutzung des ersten Fernsprechers in Deutschland im Jahre 1877 sowie 1930 bereits 400 000 Anschluessen im Ortsnetz habe die Stadt schon immer an der Spitze des technischen Fortschritts gestanden.

Obwohl der in Betrieb genommene Daten-Highway noch klein ist, hat das Projekt erheblichen Prestigewert: National, weil der Carrier beabsichtigt, wegen des Umzuges der Regierungsbehoerden von Bonn nach Berlin vor Ort eine perfekte TK-Logistik zu schaffen. International, weil die Telekom in puncto Infobahn ueber Grenzen hinweg Flagge zeigt.

Mit Seitenhieb auf die Diskussion in den USA und Japan sagte deshalb Gerd Tenzer, im Telekom-Vorstand zustaendig fuer Netztechnik: "Waehrend an anderen Orten noch ueber Chancen und Risiken, Innovationen und Investitionen diskutiert wird, haben wir in Berlin schon begonnen, einen Information- Highway zu bauen." Tenzer erklaerte in diesem Zusammenhang, dass 62 000 Kilometer Glasfaser in der ehemals geteilten Stadt die Nervenbahnen des Netzes ausmachen, das in zwei Jahren komplett digitalisiert sein soll.

Sieben Milliarden fuer Berliner TK-Infrastruktur

Sieben Milliarden Mark hat die Telekom Tenzer zufolge in den vergangenen fuenf Jahren bereits in die TK-Infrastruktur Berlins gesteckt, weitere acht Milliarden sollen folgen. Ein Teil davon wird in das Glasfasernetz fliessen, auf dem die synchrone und digitale Uebertragungstechnik SDH betrieben wird. Darauf setzt wiederum das ATM-Verfahren auf, mit dem Kunden Uebertragungsleistungen in Zeitsegmenten sowie abgestuften Bitraten bis zu 155 Mbit/s angeboten werden. Der noch bis Ende Maerz 1995 fuer Geschaeftskunden verantwortliche Telekom-Vorstand Horst Gellert kuendigte zu diesem Zweck ab sofort wirksame, verbilligte ATM- Gebuehren an.

Das Netz steht in der ersten Ausbaustufe fuer Anwender im Zentrum Berlins sowie im gesamten Bereich von Potsdam zur Verfuegung. Bis Ende 1995 strebt die Telekom eine Flaechendeckung in der Region Berlin und Brandenburg an. Mit dem Netzwerk, das von den Firmen ECI, PKI und Siemens installiert wurde, zielt die Telekom vorrangig auf Grosskunden. Tenzer aeusserte in diesem Zusammenhang die Hoffnung, dass Land, Kommunen und Unternehmen fuer diese TK- Infrastruktur jetzt die noetigen Multimedia-Applikationen entwickeln.

Nicht an Grosskunden, sondern den privaten Nutzer richtet sich das Pilotprojekt Interaktive Video-Dienste. Der Feldversuch ist laut Hagen Hultzsch, Vorstand des Telekom-Bereichs Technik Service, das erste von sechs Projekten, die 1995 und 1996 von dem Netzbetreiber initiiert werden. Als Teststaedte nannte Hultzsch Hamburg, den Grossraum Koeln/Bonn, Stuttgart, Nuernberg, Leipzig und vielleicht noch Muenchen.

Das Projekt in Berlin ist zunaechst auf 50 Teilnehmer beschraenkt. Es soll, wie Johann Stekle, Geschaeftsbereichsleiter BK Netze und Dienste der Telekom, ausfuehrte, ebenso wie die anderen Trails Aufschluss ueber unterschiedliche Technologien, das Netzdesign sowie die Akzeptanz von angebotenen Diensten geben. Ueber die Kosten des Berliner Versuchs wollte Stekle keine Angaben machen.