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Von Maniküre bis Goldmedaille

Athleten dürfen erstmals bloggen

22.08.2008
Olympiasieger Matthias Steiner findet für so etwas keine Zeit, Turnerin Katja Abel schreibt lieber Postkarten, Badminton-Spielerin Huaiwen Xu jedoch hat es Spaß gemacht: Bei den Olympischen Spielen in Peking durften die Athleten erstmals bloggen.

Doch wie eine Umfrage unter rund 30 deutschen Olympioniken zeigt, führten nur wenige ein richtiges Internet-Tagebuch. "Ach, da habe ich gar nicht dran gedacht", meinte Degen-Olympiasiegerin Britta Heidemann. Der Trampolin-Turner Henrik Stehlik wagte sich eher aus technischen Gründen nicht ran - "ich müsste mich zu lange einfuchsen."

Zu den besonders eifrigen Bloggern zählt dagegen Badminton-Europameisterin Huaiwen Xu. Täglich hat sie für die ARD in einem Peking-Tagebuch ihre Erlebnisse aufgeschrieben - oder aufschreiben lassen. "Oft habe ich auch nur mit dem Sender telefoniert und etwas erzählt." So kann der Leser unter peking2008.blog.ndr.de erfahren, wie es ihr nach dem Viertelfinal-Aus im olympischen Turnier ging: "Noch fühle ich mich absolut leer." Aber auch Eindrücke aus dem Deutschen Haus, wo sie unbedingt ein Foto von Superstar Dirk Nowitzki ergattern wollte, oder von der Maniküre im Nagelstudio finden sich.

Ruderin Kathrin Boron hält sich im Netz eher bedeckt.
Ruderin Kathrin Boron hält sich im Netz eher bedeckt.

Auch die Beach-Volleyballerinnen Sara Goller und Laura Ludwig bloggten für die ARD: "Wir hatten zu acht zwei ganze Vögel, mit Honig bestrichen", erzählten sie unter anderem von einem Peking-Enten-Essen. Andere wie Turn-Star Fabian Hambüchen oder Goldmedaillen-Schwergewicht Steiner winken dagegen bei der Frage nach persönlichen Blogs ab und geben "keine Zeit" oder "auf Wettkämpfe konzentrieren ist wichtiger" als Gründe an. Gut finden aber eigentlich alle die neue Blog-Chance.

Auch der deutsche Chef de Mission, Michael Vesper, begrüßt die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zu den Spielen erlassene neue Internet-Freiheit für die Athleten. "Das ist eine liberale Regel, sie endet aber da, wo es um die Atmosphäre im olympischen Dorf geht." So hatte dann auch das IOC betont, dass die Athleten-Herberge auf keinen Fall in eine "Big-Brother-Show" verwandelt werden soll.

Mit der Erlaubnis zu einsehbaren Tagebüchern oder Journalen von Olympioniken im Internet wurde die strenge IOC-Regel 49 gelockert, die den Sportler bisher jede journalistische Tätigkeit verbietet. Übrigens wären auch politische Meinungsäußerungen etwa zu Menschenrechten erlaubt, auf den stichpunktartig durchforsteten Internetseiten deutscher Athleten finden sich allerdings keine. Generell gilt: Wer geglaubt hat, die deutschen Athleten würden im World Wide Web bloggen, was das Zeug hält, der wird enttäuscht.

Für Ole Bischof hätte auch Twitter gereicht.
Für Ole Bischof hätte auch Twitter gereicht.

So ist das Tagebuch des Triathlon-Gold-Jungen Jan Frodeno eher spärlich gefüllt. Der 27-Jährige findet aber: "Es ist gut, dass man sich äußern darf." Auch Ruderin Kathrin Boron meint: "Es wäre dumm gewesen, wenn so etwas nicht möglich gewesen wäre." Sie selbst habe für ihre Internetseite www.boroni.de während ihrer Peking-Zeit aber nur zweimal in die Tasten gegriffen. Besonders knackig hält es Judo-Olympiasieger Ole Bischof: Unter www.olebischof.de steht als letzter Eintrag: "Am Dienstag habe ich olympisches Gold geholt." (dpa/tc)