Gericht soll Chip-Hersteller am Preistreiben hindern:

Atari will DR-RAMs von Micron billiger

01.04.1988

SUNNYVALE (IDG) - Halbleiter-Konflikt einmal anders: Nachdem die US-americanischen Anbieter jahrelang ihre japanischen Kontrahenten wegen zu niedriger Preise bei DRAM-Chips verklagt haben, geht letzt Atari gegen Speicherhersteller Micron Technology gerichtlich vor. Die Bauelemente seien zu teuer.

Weil ein Chip-Produzent aus dem derzeitigen Mangel an besagten Bauteilen Kapital zu schlagen versuchte, hat Atari Klage beim Bundesdistriktgericht in San Jose eingereicht. Der "ehemalige Spielzeughersteller" (Alwin Stumpf, deutscher Atari-Geschäftsführer, auf der CeBIT über sein Unternehmen) beschuldigt Micron Technology der "ungesetzlichen Ausnutzung" der DRAM-Knappheit, die wiederum unter anderem durch die den Japanern auferlegten Einfuhrbeschränkungen entstanden ist. Atari verlangt Schadensersatz wegen Vertragsbruch und Verletzung von Anti-Trust-Gesetzen. Micron selbst war noch zu keiner Stellungnahme zu bewegen.

Der Streit im eigenen Lager trifft mit Micron Technology ausgerechnet einen der US-Chip-Produzenten, die 1986 von der US-Regierung vehement Sanktionen gegen die japanischen DRAM-Chip-Hersteller wegen Preis-Dumpings gefordert hatten. Folge: Strafzölle sowie Importrestriktionen für die Halbleiteranbieter aus dem Land der aufgehenden Sonne. Nach dieser aus Sicht der Semiconductor-Industrie erfolgreichen Aktion schnellten die Chip-Preise in den USA bis zu 300 Prozent in die Höhe - zum Ärger der Mikrocomputerhersteller. Vor allem Micron Technology soll die Preise auf ein Vielfaches der Herstellungskosten gesteigert habe.

So beruft sich Atari in der Klage auf einen Kontrakt mit Micron, in dem der Halbleiter-Produzent zugestimmt habe, die DRAM-Chips für 3,75 Dollar pro Stück zu verkaufen; dies entspreche bereits fast dem Dreifachen der Herstellungskosten. Kurz darauf soll das Unternehmen die Zusage aber widerrufen haben, um noch höhere Preise zu erzielen. Mit diesen Wettbewerbspraktiken zerstört Micron nach Ansicht von Atari-President Sam Tramiel die Konkurrenzfähigkeit der amerikanischen Mikrocomputerhersteller. Dies bestätige auch die Ankündigung der AST Research, daß sie die Mikrocomputer-Preise aufgrund der gestiegenen DRAM-Chip-Kosten um 10 bis 15 Prozent anheben müsse.

AST selbst will hingegen in diesen Streit nicht eingreifen. Mike Morand, Vice-President of Systems Marketing, erklärte, man könne Ataris Schritt nachempfinden, aber von sich aus werde AST keine juristischen Maßnahmen ergreifen. Auch amerikanische Analysten glauben nicht, daß nun eine Flut von ähnlichen Prozessen droht. Der Atari-Klage, so die vorherrschende Meinung, mangele es an Substanz.