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It-Governance

Asiatische Märkte erfordern flexible IT-Governance

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
China und Indien erfordern eine andere IT als Europa. Wer seine Informationstechnik weltweit über einen Kamm schert, bringt sich ins Hintertreffen, so eine noch nicht veröffentlichte Studie.
"Manchmal ist ein bewusster Verzicht auf Synergien sinnvoll," sagt Detecon-Manager Hans-Werner Feick.
"Manchmal ist ein bewusster Verzicht auf Synergien sinnvoll," sagt Detecon-Manager Hans-Werner Feick.
Foto: Euroforum, Handelsbaltt

Dass eine zentrale IT-Governance die Übereinstimmung von Informationstechnik und Business verbessert, steht außer Frage. Es lohnt sich deshalb, sie einzurichten und mit Leben zu füllen – zumindest, wenn es um die angestammten Märkte in Europa und Nordamerika geht. Für die schnell wachsenden asiatischen Märkte gilt diese Empfehlung aber nur bedingt. Mit dieser These provozierten Hans-Werner Feick, Managing Partner und Member of the Executive Board des Beratungsunternehmens Detecon International GmbH, das Auditorium auf der diesjährigen "Handelsblatt-Konferenze" zum Thema "Strategisches IT-Management".

Feick befragte in den vergangenen Monaten rund 30 IT-Chefs aus der Automotive-Industrie und der Finanzwirtschaft zu ihrer IT-Governance. Dabei stieß er eigenen Angaben zufolge auf eine "sehr große Bandbreite". Sie reicht von der globalen IT-Steuerung durch den CIO-Bereich bis zu einer Struktur, in der jede Niederlassung ihre eigene IT unterhält (siehe auch: "Schlanke Strukturen als Erfolgsrezept").

Unternehmen, die in China und Indien tätig werden wollten, täten gut daran, dort tendenziell eine dezentralen Organisation und Handlungsweise zu etablieren, rät der Consulting-Experte. Denn nur mit lokalem Know-how und Softwarelösungen aus dem heimischen Markt ließen sich die IT-Kosten in einem vernünftigen Verhältnis zu den erzielbaren Erlösen halten.

IT-Kosten ein Viertel des Umsatzes?

Als Beispiel führte Feick das kürzlich angekündigte 1700-Euro-Auto des indischen Herstellers Tata an. Mit dem in Europa betriebenen IT-Aufwand sei ein solches Low-Budget-Fahrzeug nicht kostendeckend zu produzieren. Der mit 20 000 Euro angesetzte Verkaufspreis eines europäischen Kleinwagens enthalte etwa vier Prozent, also rund 400 Euro, an IT-Kosten. Bei gleich bleibendem IT-Aufwand machten die IT-Kosten für die Herstellung des Tata-Autos etwa ein Viertel des Umsatzes aus.

"Wir haben unsere komplexe IT entwickelt, um unsere komplexen Produkte und Prozesse abzubilden" erinnert der Detecon-Manager. Die Angebote für den asiatischen Markt seien einfacher strukturiert und benötigten weniger komplexe Abläufe im Hintergrund. Auf der Softwareseite bräuchten sie folglich auch keine Maximallösungen nach europäischem Standard. Angemessener seien kleine, flexible, auf das jeweilige Problem abgestimmte Anwendungen, die sich für wenig Geld vor Ort beschaffen ließen. Fazit: Unternehmen, die in Asien Fuß fassen möchten, sollten sowohl die Insider-Kenntnisse der lokalen Manager als auch das Angebot der einheimischen Software- und Serviceanbieter nutzen.

Voraussetzung dafür sei aber eine differenzierte IT-Governance, mahnt Feick: "Es muss eine Entsprechung von Marktdynamik und lokaler Entscheidungskompetenz geben." Von der Idee, die IT-Strategie für China und Indien zentral in München, Wolfsburg oder Stuttgart auszuarbeiten, hält er wenig: "Es ist kaum möglich, sich beispielsweise in Feuerbach zu überlegen, wie die IT in Shanghai aussehen sollte."

Synergie versus Abstimmungsaufwand

Selbstverständlich bringe eine zentrale IT-Governance Synergieeffekte mit sich, räumt Feick ein: "Aber manchmal ist ein bewusster Verzicht auf diese Effekte sinnvoll." Es gelte, den jeweils richtigen Kompromiss zwischen Synergie und Abstimmungsaufwand zu finden. So sei es durchaus möglich, die deutschen und/oder europäischen Niederlassungen an die kurze Leine zu nehmen, den dynamischeren Märkten in Asien hingegen mehr Freiheiten einzuräumen: "So nähern wir uns dem atmenden Unternehmen an". Allerdings dürften die Konzerne darüber nicht vergessen, den dezentralen IT-Einheiten mit Hilfe von Templates und Frames die Grenzen der Freiheit aufzuzeigen.