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Arthur Andersen droht nach Schuldspruch das Aus

17.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Ein Berufungsgericht in Houston, Texas, hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen LLP der Behinderung der Justiz schuldig gesprochen. Nach zehntägiger Beratung kamen die zwölf Geschworenen zu dem Schluss, dass Arthur Andersen im Zusammenhang mit dem Enron-Konkurs Akten und Dateien vernichtet habe. Damit sollte verhindert werden, dass Beweise über unkorrekte Bilanzierungen in die Hände der US-Börsenaufsicht SEC fallen. Den Verantwortlichen im Unternehmen drohen nun fünf Jahre Haft auf Bewährung und eine Höchststrafe von bis zu 500.000 Dollar. Schwerwiegender ist jedoch, dass Andersen mit diesem Schuldspruch das Recht verliert, ohne ausdrückliche Erlaubnis der SEC die Bücher von börsennotierten Gesellschaften zu testieren. In einer Pressemitteilung erklärte das Unternehmen, es werde am 31. August - fünf Tage nach der

Urteilsverkündung - seine Revisionsarbeit in den USA einstellen.

Obwohl die Verteidiger gegen den Urteilsspruch Berufung einlegen wollen, befindet sich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bereits seit Beginn der Anklage Mitte März in Auflösung. Laut Presseberichten verlor Andersen in den USA bereits 690 der einst etwa 2300 Kunden, darunter Oracle und SAP. Anfang April hatte die Auditing-Company außerdem angekündigt, weitere 7000 Mitarbeiter oder rund ein Viertel der Beschäftigten in den USA zu entlassen. Zudem wurden bereits verschiedene Unternehmensteile verkauft oder werden noch veräußert. (mb)