Total Cost of Ownership (TCO)/Kommentar

Argumente statt Ideologien

27.06.1997

Wer die von den Gartner-Analysten angezettelte und mittlerweile ausufernde Diskussion um das Thema DV-Gesamtkosten überdenkt; wer die ideologischen Grabenkämpfe der Wintel- und NC-Lager verfolgt, der muß sich fragen, ob Marktforscher und Hersteller als Meinungsbildner noch taugen.

Eigenartig ist jedoch, daß die mit guten Argumenten gestützte Botschaft von Larry Ellison, Scott McNealy und Louis Gerstner nicht so durchdringt, wie die Sender es gerne möchten. Liegt das etwa an den Störfeuern, die aus dem mächtigen Wintel-Lager von Microsoft und Intel kommen? Irgendwie haben es der Herr der Software, Bill Gates, und Intel-Vormann Andy Grove geschafft, den NC-Gläubigen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Oder?

Verdient hätten die beiden es nicht, einem neuen Konzept die Show zu stehlen. Abgesehen davon, daß das Erfolgsduo sehr wohl auch bei diesem neuen Technologie-Trend beziehungsweise Paradigmenwechsel abzustauben gedenkt, trägt ihr Verhalten nicht gerade zur Aufklärung der Anwenderschar bei.

So ist es natürlich nicht richtig, daß NCs dumme Terminals seien. Auf ihnen werden im Gegensatz etwa zu einem 3270-Endgerät Daten und Applikationen verarbeitet. Falsch ist auch, daß mit der Einführung von NCs in Unternehmen immense Investitionen für Intel-Microsoft-Systeme abgeschrieben werden müßten. NCs können mit entsprechenden Software-Tools Windows-Programme genauso nutzen wie Main- frame- oder Unix-Applikationen.

Wer jeden Morgen Windows 95 hochfährt, wird sich auch leichten Herzens von dem nörgeligen Argument verabschieden, NCs brauchten ewig, um zu booten.

So wird die Wahrheit wohl eher in Redmond zu suchen sein: Du sollst kein anderes Betriebssystem- und Softwarekonzept neben mir haben, lautet das einzige, dafür eherne Gebot von Bill Gates. Ob das in Zukunft noch von vielen befolgt wird, sei dahingestellt.