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Arcor will Wachstum beschleunigen - TV-Angebot geplant

21.11.2006
Der Festnetzanbieter Arcor will auch künftig schneller als die Konkurrenz wachsen.

Im kommenden Jahr werde Arcor bei den DSL-Kundenzahlen HanseNet überholen und an United Internet herankommen, sagte Arcor-Chef Harald Stöber am Dienstag in Eschborn bei Frankfurt am Main. Die Vodafone-Tochter sei mit der Deutschen Telekom der am schnellsten wachsende Breitbandanbieter Deutschlands. In den sechs Monaten bis Ende September erhöhte Arcor seine DSL-Kundenbasis um 380.000 auf 1,68 Millionen.

United Internet ist mit seiner Tochter 1&1 der zweitgrößte DSL-Anbieter Deutschlands nach der Telekom - auf Rang drei folgt HanseNet, das seinen Kundenstamm durch den Erwerb des AOL-Zuganggeschäfts deutlich ausgebaut hat. United Internet betreibt kein eigenes Netz, sondern ist ein reiner Zwischenhändler von DSL-Leistungen. Bis zum Jahresende peilt United Internet die Zahl von 2,29 Millionen DSL-Nutzern an. Für die zweite Jahreshälfte stellte Arcor-Chef Stöber einen höheren Zuwachs bei den Breitbandkunden in Aussicht. Bis Ende Dezember könnte die Marke von zwei Millionen DSL-Nutzern erreicht werden.

Beim Ausbau des Breitbandgeschäfts setzt Arcor auch auf die Vertriebskooperation mit der Muttergesellschaft Vodafone D2 sowie neue Mediendienste. Vodafone hatte vor einigen Monaten einen Strategieschwenk hin zum Festnetzgeschäft vollzogen und den Verkauf von Arcor abgeblasen. Seit knapp vier Wochen vertreibt Vodafone über sein deutsches Filialnetz DSL-Verträge von Arcor. „Noch ist es zu früh, um etwas über den Verlauf der Kooperation zu sagen“, erklärte Stöber.

Der Manager kündigte für Mitte kommenden Jahres den Start eines eigenen TV-Angebots über das Internet an. Über 70 Programme würden in das schnelle DSL-Netz eingespeist, sagte Stöber. In Kürze soll ein Testlauf in Kassel starten. Arcor folgt damit dem allgemeinen Branchentrend, Telefon, Internet sowie Medieninhalte im Bündel anzubieten. Arcor verfügt nach der Telekom über die größte Festnetz-Infrastruktur in Deutschland. Bis Ende des nächsten Geschäftsjahres soll das Netz für 70 Prozent der Bevölkerung verfügbar sein, sagte Stöber.

Der Umsatz von Arcor wuchs in den Monaten April bis September um 13 Prozent auf 1,03 Milliarden Euro und der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) um 53 Prozent auf 183 Millionen Euro. Der Überschuss sprang auf 60 Millionen Euro nach einem Fehlbetrag von 29 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Für die zweite Hälfte des laufenden Geschäftsjahres stellte Stöber ein unvermindertes Umsatzplus in Aussicht.

Arcor will nach früheren Angaben trotz der Gewinnsteigerung 150 seiner 3800 Arbeitsplätze in Deutschland streichen. Hintergrund sei der hohe Preis- und Margendruck im Festnetz. Betroffen sind die Standorte Berlin, Dresden, Hamburg, Hannover und Köln. Weitere Einschnitte seien derzeit nicht geplant, so Stöber weiter. (dpa/tc)