Tintenstrahldrucker liefern den Beweis:

Arbeitsplatzdrucker bisher eine Zumutung

22.02.1985

Als Ausgabegerät für informationsverarbeitende Systeme aller Art ersetzt er mal Schreibmaschine oder Telex, mal Kopierer oder Vervielfältiger: Der EDV-Drucker. Doch so schnell. zuverlässig und selbständig er auch arbeiten mag, ein Makel haftet ihm zumeist an - der Lärm, den er erzeugt.

Das ist dann besonders schlimm, wenn er sich in der Nähe eines menschlichen Arbeitsplatzes befindet. Was sich dabei gegen den Menschen richtet, ist alles andere als ergonomisch. Den Hoffnungsschimmer am Horizont bildet hier die Ink-Jet-Technik. Auf deutsch: Der Tinten(strahl)-Drucker.

Noch steht es in vielen Nachschlagewerken nicht einmal drin, jenes in letzter Zeit mehr und mehr bemühte Wort "Ergonomie".

Darunter zu verstehen ist eine Kombination aus Forschungsaufgaben und der Umsetzung daraus resultierender Erkenntnis zur Entwicklung menschengerechter Arbeitsplätze und Gestaltung humaner Arbeitsabläufe.

Im Mittelpunkt steht also der Mensch: Genug Licht am Arbeitsplatz, die geeignete Sitzgelegenheit, handgerechte Werkzeuge, sichtoptimierte Lage von Beobachtungsfronten oder körperfreundliches Klima: All das ist Ergonomie. Auch der auf den arbeitenden Menschen einwirkende Lärmpegel ist eine wesentliche Ergonomiekomponente.

Genau hier aber wird's kritisch. Denn bisherige Techniken für Arbeitsplatzdrucker erlaubten, gelinde gesagt, nur unzumutbare Lärmbelästigung für den Menschen. Nicht, weil es keine leiseren Techniken gab, sondern weil die aus organisatorischen Gründen bevorzugten Techniken "impact", also anschlagorientiert waren. Dazu zählen Nadel-, Band-, Ketten- und Typenraddrucker.

Natürlich gibt es auch schon länger "leise" Techniken wie Thermo-Ink-Jet, elektrostatische oder Laserdrucker. Doch entweder das Aussehen des Ausdrucks (wer verschickt schon gern einen Geschäftsbrief auf Thermopapier) oder der zu hohe Preis der Geräte verhinderte den Einzug menschenfreundlicher Techniken an den Arbeitsplatz.

Erst die explosionsartige Verbreitung des Mikrocomputers hat bei einigen Herstellern Überlegungen ausgelöst, höherwertige Techniken in preiswerte Arbeitsplatzdrucker zu integrieren.

Was ist so besonders an jenen Tintendruckern? Sie sind klein, leicht und handlich. Sie haben eine gute Schriftqualität und sind grafikfähig Schrift und Grafik sind mischbar. Und sie sind sehr leise, nämlich unter 50 dBA.

Nun sind Begriffe wie "Lärm" und "leise" relativ, vor allem, wenn man die Werbeaussagen mancher Druckerhersteller mit der geräuschreichen Arbeitsweise ihrer Produkte am Arbeitsplatz vergleicht. Um es klar zu sagen: Mit Anschlagstechnik (impact) arbeitende Drucker sind am Arbeitsplatz wegen ihres Lärmpegels unausstehlich! Ein Schallschutzgehäuse drüber? Sicher eine lärmlindernde Lösung. Aber oft teurer als ein Tintendrucker, umständlich bei der Bedienung und sperrig.

Die Aussagen von Menschen über Begriffe wie "Geräusch" und "Lärm" sind, wie bereits festgestellt, relativ. Einigen wir uns darauf: Es fällt alles darunter, was das menschliche Ohr wahrnehmen kann. Normalerweise will man beim Arbeiten aber seine Ruhe haben. Und der Geräuschpegel unserer Umwelt ist sowieso ganz schön üppig. Warum also leugnen daß einem das Arbeitsgeräusch eines Nadel- oder Typenraddruckers auf den Wecker geht!

Sicher, mit mechanischer Anschlagtechnik arbeitende Drucker haben einen unübersehbaren Vorteil: Sie können in einem Arbeitsgang gleich mehrere Durchschläge erzeugen. Das bleibt anschlaglosen Drucktechniken (non impact), wie dem Tintendrucker, verwehrt Dafür ist er schneller. Und, wie bereits ausgeführt, unvergleichbar leiser. Wobei die mechanischen Erschütterungen, die Impact-Drucker erzeugen auch nicht vergessen werden dürfen. Der zurücksausende Druckkopf dieser Geräte hat schon so manchen Gegenstand zerlegt, der sich in Reichweite der Erschütterungsenergie befand. Computer und Terminals eingeschlossen .

Der Schalldruckpegel als Meßgröße eines Geräusches

Wie messen nun Arbeitsmediziner Geräusche, wie bewerten sie ihren Einfluß auf den Menschen, und was ist nach ihrem Ermessen am Arbeitsplatz noch zumutbar? Meßbasis ist der Schalldruckpegel, das heißt der Energiegehalt eines Geräusches im Vergleich zum leisesten noch hörbaren Geräusch. Als physikalische Einheit für den Meßwert dient die Bezeichnung "Dezibel" (übrigens von Graham Bell definiert), ein logarithmisches Maß. Dies bedeutet, daß beispielsweise + 3 dB die doppelte Energie, + 6 dB die vierfache und + 30 dB etwa die tausendfache Energie darstellt!

Um die Empfindlichkeit des Ohres mit ins Spiel zu bringen, gab es früher die Bezeichnung "Phon", was inzwischen der Angabe "dBA" weichen mußte. Dabei stellen + 10 dBA die doppelte, + 20 dBA die vierfache, + 30 dBA die achtfache und + 40 dBA die sechzehnfache Lautstärke als Maß für den nach der Empfindlichkeit des Ohres gemessenen Schalldruckpegel dar.

In 40 Zentimeter Entfernung von einer Kugelkopfschreibmaschine ergibt sich ein Lärmpegel von immerhin 76 dBA, ein Schallschluckgehäuse mindert diesen Wert auf 62 dBA. Wesentlich leiser, wenn man die logarithmische Kurve bedenkt, jedoch immer noch zu laut. Ein Tintendrucker bringt es immerhin auf Werte von 44 bis 49 dBA (wobei das lauteste die mechanisch bewegten Teile für Druckkopf und Papiertransport sind!). Er bewegt sich damit im Bereich der sogenannten normalen Sprachverständigung.

Ergänzungstechnik für den Tintendrucker könnte, was die "Durchschläge" angeht, der moderne Bürokopierer sein. So ist auch der vielzitierte "6. Durchschlag" genauso gut lesbar, wie das Original und entspricht diesem aufs I-Tüpfelchen. Zudem können vorhandenes Geschäftspapier oder Vordrucke benutzt werden, es ist nicht für alles Endlospapier erforderlich.

Eines ist klar: Der Tintendrucker kann nicht alle Druckanforderungen der Informationstechnik abdecken. Aber er ist das derzeit ergonomischste Drucksystem am Arbeitsplatz Mit dieser Technik ist auch ein Relikt aus alten Zeiten an den Arbeitsplatz zurückgekehrt: die Tinte. Nur in etwas veränderter Form. Aber schließlich tragen wir ja auch keine Ärmelschoner mehr. Und wenn doch, dann höchstens, weil es ergonomischer ist.

*Jochen Diebel ist freier Journalist in München