Video-Conferencing

Arbeiten in der Nische

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Informatiker, die sich im Videoconferencing zu Hause fühlen, haben gute Jobperspektiven.

Computerfachleute haben es derzeit leicht, einen guten Job zu finden. Umgekehrt tun sich Arbeitgeber schwer, diese begehrte Berufsgruppe ins Unternehmen zu holen – vor allem die Mittelständler. Das gilt erst recht für Firmen, die in Nischenmärkten wie etwa dem Videoconferencing tätig sind. Tobias Enders, Geschäftsführer von GMS Global Media Services, bestätigt: „Das Segment der Videokonferenz-Systeme bildet einen Nischenmarkt, obwohl der Bedarf nach einer virtuellen Face-to-Face-Kommunikation stark steigt."

Die Branche sucht dringend Informatiker

Um dieser wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, suchen Hersteller und Service-Provider aus dem Videoconferencing-Geschäft Informatiker. Ihre Aufgaben bestehen unter anderem darin, zu programmieren, für IT-Sicherheit zu sorgen und die vorhandenen Systeme kundengerecht anpassen und betreiben zu können. Der klassische Medientechniker stößt hier schnell an seine Grenzen.

Besonders begehrt sind IT-Hochschulabsolventen, die zusätzlich Videokonferenz-Infrastrukturen kennen. Denn der Aufbau und Betrieb internationaler Videokonferenz-Netze erfordert Fachkenntnisse und das Verständnis für individuelle Unternehmensanforderungen.

Das Arbeitsspektrum eines Experten reicht dabei vom täglichen Support, ähnlich wie in einem Network Operation Center, über die Inbetriebnahme neuer Videokonferenz-Endpunkte oder Infrastrukturkomponenten bis hin zu Design und Implementierung globaler Netze. Zu diesen technischen Tätigkeiten kommt der unmittelbare Kontakt mit den Anwendern hinzu. Aus diesem Grund spielt die soziale Kompetenz eine entscheidende Rolle.

Tobias Enders, GMS Global Media Services: „Die Videokonferenz-Branche braucht keine Verkäufer oder mit Scheuklappen versehene Techniker.“
Tobias Enders, GMS Global Media Services: „Die Videokonferenz-Branche braucht keine Verkäufer oder mit Scheuklappen versehene Techniker.“
Foto: Privat

„Die Videokonferenz-Branche braucht keine Verkäufer oder mit Scheuklappen versehene Techniker, sondern Berater mit einem Gespür für die Kundenwünsche. Nur diese erfüllen die Anforderung der Unternehmen – nämlich eine gute Mischung aus Technik- und Consulting-Know-how", sagt Enders. Er sieht für Informatiker in der Branche vielseitige Entwicklungsmöglichkeiten von der Spezialistenlaufbahn bis zu Management-Positionen.

Was die Entlohnung angeht, reichen die Einstiegsgehälter allerdings zunächst nicht über die anderer IT-Positionen hinaus. Das erste Jahressalär eines Diplominformatikers liegt hier bei etwa 45.000 Euro im Jahr. Dabei sind aufgrund der positiven Entwicklung im Videokonferenz- und Unified-Communications-Markt die Entwicklungs- und Karrierechancen überdurchschnittlich gut.

Anbieter werben mit Weiterbildung

Damit alle Mitarbeiter immer auf dem aktuellsten Technologiestand sind, investieren viele Unternehmen in Trainings. Hersteller bieten Zertifizierungen für bestimmte Produkte und Technologien an – Microsoft und Cisco gehören beispielsweise dazu. Diese Zertifikate sind gefragt und können ein wichtiges Kriterium bei der Stellenvergabe sein. Enders relativiert: „Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ein fundiertes IT-Grundwissen für den Einstieg zunächst ausreicht. Alle Zusatzqualifikationen können Schritt für Schritt im täglichen Betrieb erworben werden."

Dafür haben viele Videokonferenz-Anbieter Workshops und gründliche Einarbeitungsprogramme entwickelt, die es Berufseinsteigern erleichtern, schnell in dieser Nische des IT-Arbeitsmarkts zurechtzukommen. „Das motiviert Informatiker, sich für den wachsenden Videokonferenz-Markt zu entscheiden", kommentiert Enders.