Arbeiten als Berater: Das bessere Argument sticht

15.10.2004
Der Elektroingenieur Nikolaus Guido, 38, arbeitet seit zwei Jahren im Business Technology Office (BTO), in dem McKinsey seine IT-Strategieberatung bündelt. In YOUNG PROFESSIONAL erzählt er, wie er sich in der Beraterwelt zurechtgefunden hat.

YP: Warum sind Sie aus der Industrie in die Beratung gewechselt? NIKOLAUS GUIDO: Ich wollte meine beruflichen Erfahrungen möglichst rasch erweitern, andere Industrien und deren Arbeitsweisen kennen lernen, aber auch verstehen, mit welcher Perspektive das Top-Management ein Unternehmen steuert. Zudem entwickelte sich bei mir im Lauf der Zeit eine gewisse Routine, und so wurde der Drang nach Veränderung größer. Als Berater zu arbeiten erschien mir als ideale Lösung.

YP: Wie sieht Ihre Zwischenbilanz nach zwei Jahren aus? GUIDO: Rückblickend haben sich meine Erwartungen erfüllt. Ich war innerhalb kurzer Zeit an Projekten bei Banken und Versicherungen, in der Telekommunikationsbranche, im Maschinenbau und in der Automobilindustrie beteiligt. Dabei ging es um ein breites Spektrum an Themen, von Strategie und deren Umsetzung über Leistungssteigerung bis hin zu Kostensenkung.

YP: Die meisten Consultants kommen direkt von der Hochschule zur Beratung. Sie haben bereits Karriere in einem Elektronikkonzern gemacht. Wie verlief Ihr Einstieg in die Beraterwelt? GUIDO: Eine sehr große Umstellung war für mich der Wechsel von der Linienarbeit mit Weisungsbefugnis zu einem projektorientierten Vorgehen, wo Fakten und Buy-in sowie die Arbeit im Team entscheidend sind. Das prägt auch die Zusammenarbeit und die Kultur im BTO. Eine starke Eigenverantwortung mit hohen gegenseitigen Erwartungen fordert ein Maximum an das Finden von Lösungen und an deren Qualität. In fachlichen Belangen kommen unsere Teams daher ohne Hierachien aus. Auch die Dauer der Firmenzugehörigkeit hat keinen Einfluss. Den Spruch "Das haben wir schon immer so gemacht" gibt es nicht - entscheidend ist das bessere Argument.

YP: Wie veränderte sich Ihre Arbeitsweise? GUIDO: Als Berater nehmen wir die Perspektive des Top-Managements ein. Probleme werden hypothesengetrieben und faktenbasiert gelöst. Das Ziel ist eine objektive Lösung. Die meisten Projekte umfassen mehrere Hierarchieebenen und Unternehmensbereiche. Intensive Interaktion mit den Mitarbeitern des Klienten und dem Team gehören zum täglichen Geschäft. Spannend finde ich, dass ich über interne Research-Gruppen oder über weltweit verstreute Berater auf ein großes Wissen zurückgreifen kann.

YP: Mit welchen handwerklichen Schwierigkeiten mussten Sie sich bei ihrem Einstieg auseinander setzen? GUIDO: Ich musste erst lernen, wie ich mein Wissen, meine Erfahrungen und Konzepte in Schaubilder fasse. Diese Fertigkeit lässt sich aus meiner Sicht nur durch ständiges Üben mit entsprechendem Feedback erlernen. In den ersten zwei bis drei Monaten fühlt man sich oft wie ein Auto mit drei Rädern in der Luft.

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