Mobile machts möglich

Arbeit und Privatleben sind kaum noch zu trennen

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
In einer repräsentativen Umfrage kommt der ITK-Branchenverband Bitkom zu interessanten Erkenntnissen. Mobile Erreichbarkeit und das Arbeiten in Netzwerken heben die strikte Trennung von Arbeits- und Privatleben auf.

Mobile Technologien ermöglichen nicht nur flexible Arbeitsmodelle, sie fordern diese regelrecht heraus. Das ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis, die der Bitkom aus einer repräsentativen Erhebung gewinnt. Befragt wurden 505 Berufstätige im Alter von 16 bis 65 Jahren sowie 854 Geschäftsführer und Personalverantwortliche aus Unternehmen mit mehr als drei Mitarbeitern.

Für Verbandspräsident Dieter Kempf bedeutet das, dass sich Arbeit von festen Arbeitszeiten und -orten entkoppelt. Für die neue Arbeitswelt müssten neben den technischen auch organisatorische und kulturelle Voraussetzungen geschaffen werden.


Mitarbeiter im gefährlichen Stand-by-Modus

Doch was bedeutet es, wenn Menschen immer und überall elektronisch erreichbar sind? Kempf betonte, dass es gefährlich werden könne, wenn Beschäftigte via Telefon, E-Mail oder Social Web immer ansprechbar seien und ihre Erholungsphasen zu kurz kämen. Arbeitgeber wie Beschäftigte müssten verantwortungsbewusst handeln.

Dieter Kempf, Präsident des Bitkom
Dieter Kempf, Präsident des Bitkom
Foto: Bitkom

Heute sei in fast zwei Dritteln der Unternehmen das Thema Erreichbarkeit nicht geregelt. Der Bitkom stellt in seiner Studie zudem fest, dass der Trend zu projektorientierter Arbeit in virtuellen Teams durch soziale Netzwerke noch einmal einen Schub bekommt. Das wirke sich auf klassische Hierarchien aus: „Feste Hierarchien und das Denken in Abteilungen oder Geschäftsbereichen verlieren an Bedeutung“, so der Bitkom-Präsident. Die schöne neue Welt der „Shareconomy“ bereite auch Ängste: Beschäftigte befürchten persönliche Nachteile, wenn sie zu viel Wissen preisgeben. Doch die Grundhaltung der meisten ist eher positiv, und die Sorgen werden von Praktikern, die bereits Erfahrung mit virtueller Teamarbeit haben, überwiegend nicht bestätigt.


Industrie- und Wissensgesellschaft ticken unterschiedlich

Aus Sicht des Bitkom ist die Trennung von Berufs- und Privatleben eine Ausprägung des Industriezeitalters, in dem Arbeiter und Angestellte in Massen an ihre Werkbänke oder in die Büros strömten. Neue Technologien ermöglichten es, diese Trennung aufzuheben – zum Vorteil der Beschäftigten, die mehr Freiheiten bekämen. Allerdings falle der Übergang in diese Arbeitswelt nicht leicht und müsse gestaltet werden.

Der Verband schlägt Regeln vor, die flexibles Arbeiten und den Umgang mit der Erreichbarkeit erleichtern sollen. Es müsse geklärt werden, wann Mitarbeiter verfügbar sein sollten. Außerdem gelte es, das Personal am Erreichen seiner Ziele zu messen, nicht an der körperlichen Anwesenheit im Büro. Moderne Kommunikationsmittel könnten dazu einen Beitrag leisten. Entscheidend sei aber, dass die Organisations- und Führungskultur angepasst werde.

Für Beschäftigte bedeute die neue Arbeitswelt, dass sie sich selbst besser organisieren müssten. Wer viel außerhalb des Büros arbeite, müsse für die Kollegen und Vorgesetzten sichtbar und ansprechbar bleiben. Wichtig sei zudem, die eigenen Toleranzgrenzen zu definieren und sich vor Selbstausbeutung zu schützen. (mhr)