Apps im Business-Bereich

Apps verdrängen etablierte Softwarekonzepte

06.07.2012 | von Matthias Sternkopf
Seit Apple 2007 mit dem Erscheinen des iPhones die App im Massenmarkt salonfähig machte, hat sich das App-Paradigma rasant verbreitet. Hatten die ersten Apps eher einen unterhaltenden Charakter, werden sie jetzt auch für den Business-Bereich interessant. Noch ist das Ende mächtiger Softwarepakete nicht gekommen, aber Apps etablieren sich als wichtiges ergänzendes Distributionsverfahren.
Foto: Cybrain, Fotolia.de

Seit Apple 2007 mit dem Erscheinen des iPhones die App im Massenmarkt salonfähig machte, hat sich das App-Paradigma rasant verbreitet. Hatten die ersten Apps eher einen unterhaltenden Charakter, werden sie jetzt auch für den Business-Bereich interessant. Noch ist das Ende mächtiger Softwarepakete nicht gekommen, aber Apps etablieren sich als wichtiges ergänzendes Distributionsverfahren.

Nicht nur für Mobile Devices

Das Wort „App“ ist zunächst einmal die Kurzform für den englischen Begriff „Application“, also schlicht eine Anwendung. Und auch wenn im allgemeinen Sprachgebrauch die App meist mit Anwendungen für Smartphones und Tablets gleichgesetzt wird, sollte der Begriff deutlich weiter gefasst werden. Apps werden inzwischen nicht mehr nur auf mobilen Endgeräten ausgerollt, sie etablieren sich auch in der klassischen Desktop-Betriebssystem-Welt. Apple hat mit dem Mac App Store für das OS X Lion vorgemacht, wie es geht, und Microsoft wird mit dem Windows Store für Windows 8 bald folgen.

Die Annäherung von mobilen und stationären Apps ist deutlich sichtbar, eine Verschmelzung der Modelle wohl nicht mehr allzu fern. In vielen Köpfen ist noch fest verankert, dass Apps grundsätzlich über einen Marketplace wie Apples App Store vertrieben werden. Dabei gibt es auch andere Distributionsformen.

Einige Apps werden von ihren Entwicklern beispielsweise direkt auf ihrer Website zum Download und zur Installation auf den Endgeräten angeboten. Dennoch übernehmen die Marketplaces für den Nutzer die wichtige Funktion eines Aggregators: Apps werden vorsortiert, aufbereitet und – ergänzt mit Mediainhalten und einer Reputationsfunktion den Nutzern präsentiert.

Nikolaus Mohr, Geschäftsführer Communications, Media & Technology bei Accenture: „Der Trend zur HTML5-App hebelt das Prinzip der Marketplaces aus.“
Nikolaus Mohr, Geschäftsführer Communications, Media & Technology bei Accenture: „Der Trend zur HTML5-App hebelt das Prinzip der Marketplaces aus.“
Foto: Accenture

Nikolaus Mohr, Geschäftsführer Communications, Media & Technology bei Accenture, meint, dass sich Apps vor allem durch ihren „sehr nutzerfreundlichen Zugang“ auszeichnen. Eine App setze stets auf einer existierenden softwareseitigen Infrastruktur auf, könne dabei aber sowohl Erweiterungen bestehender Anwendungen als auch völlig eigenständige, von der ursprünglichen Aufgabe der zugrunde liegenden Software losgelöste Funktionen bringen.

Native App versus Web-App

Apps müssen aus Entwicklersicht in native, hybride und Web-Apps unterschieden werden. Während die native App plattformabhängig ist und entsprechend nur auf dem dafür vorgesehenen Betriebssystem eingesetzt werden kann, wird die Web-App aus dem Internet geladen und kann ohne Installation auf dem mobilen Endgerät genutzt werden.

Web-Apps setzen heute auf HTML5 als einheitlichen Standard. Die Analysten von Gartner gingen Anfang 2011 sogar so weit, mit dem vermehrten Aufkommen der Web-Apps das Ende des Hypes um native Apps vorauszusagen. So sei es nicht mehr zeitgemäß, für jeden Shop, den man besucht, jedes Produkt, das man kauft, oder jede Website, die man ansteuert, eine eigene native App zu haben. Auch lasse sich eine Web-App beim klassischen Surfen ohne Aufwand über Google finden und sofort anwenden.

Bei der nativen App müsse erst der Shop aufgerufen, die App gefunden, gegebenenfalls bezahlt, installiert und in Gang gesetzt werden. Die einmal installierte App fordert zudem in den meisten Fällen regelmäßige Pflege zum Beispiel durch Updates. Auch aus technischer Sicht haben die Web-Apps einige Vorteile gegenüber den nativen Apps. So genügt eine einmalige Programmierung, damit die Web-App auf allen HTML5-fähigen Endgeräten dargestellt werden kann.

„Wenn der Programmierer seine HTML5-App vom Ultrabook auf ein Smartphone bringen möchte, muss er dazu lediglich die UI-Tweaks anpassen“, erklärt Björn Taubert, der für Intels AppUp-Programm Marketing-Kampagnen entwickelt. Intel glaubt, den Trend erkannt zu haben, und stellt seinen Entwicklern vermehrt HTML5-Schulungen zur Verfügung.

Neben der Cross-Plattform-Kompatibilität sind bei den HTML5-Apps auch Updates und Veränderungen des Inhalts deutlich einfacher zu realisieren. Auf der anderen Seite haben native Apps meist noch in Sachen Performance und Benutzerschnittstelle die Nase leicht vorne. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die speziell für das Endgerät programmierten Applikationen deutlich mehr Betriebssystem- APIs nutzen können und sich dadurch besser an Betriebssystem und Hardware anpassen lassen.Allerdings sollen auch für HTML5 zukünftig mehr APIs zur Verfügung stehen.