Es fehlt ein konkurenzfähiges Einstiegsmodell

Apples Umsatz gerät durch Low-end-Schwäche unter Druck

05.01.1990

MENLO PARK (IDG/vwd) - Die Apple Computer Inc. sah sich kürzlich veranlaßt, ihre Geschäftserwartungen für das erste Quartal 1990 nach unten zu revidieren. Schwache PC-Verkaufszahlen im Low-end-Bereich sind hierfür verantwortlich.

"Die Low-end-Produkte, der Mac SE und der Mac Plus", so ein Händler, "sind nicht wettbewerbsfähig genug, um Erstkäufer anzusprechen." Seit einem Jahr ist Apple nicht mit Entry-PCs auf dem Markt aufgetreten, und das scheint sich jetzt zu rächen. Ein neuer Billig-Mac mit einem Megabyte RAM zum Preis zwischen 1000 und 1500 Dollar ist frühestens für Ende 1990 zu erwarten, wissen Insider. "Geld macht Apple überhaupt nur noch mit den teuren Produkten", stellt Ash Jain, Vice President der Irvine Resource Group, fest; dagegen lastet er dem Unternehmen an, "die Low-end-Flanke offen" gelassen zu haben.

So werden die Verkäufe im ersten Quartal 1990 Apple zufolge zwar die Vergleichszahlen des Vorjahres (1,405 Milliarden Dollar) übertreffen, das Planziel aber wird man verfehlen. Nach Bekanntgabe der reduzierten Erwartung fiel die Apple-Aktie an der Wall Street sofort um drei Punkte, um im Verlauf weniger Börsentage mehr als zehn Dollar zu verlieren. Damit liegt der Wert nur noch knapp oberhalb der Kurse von 1983. Damals verdiente das Unternehmen je Anteil 0,64 Dollar und buchte die Aktie mit 3,19 Dollar. Zum Vergleich die für 1989 erwarteten Zahlen: Gewinn pro Anteil 3,16 Dollar, Buchwert 10,9 Dollar.

Arnd Wolpers, Geschäftsführer der Capital Mangement Wolpers GmbH in München hält die Apple-Aktie für einen guten Anlagetip: Er erwartet eine fünf- bis zehnprozentige Erholung des jetzt stark gedrückten Kurses und empfiehlt, zu kaufen.

Nur noch zehn Prozent Anteil am PC-Markt, so die IDG-Publikation Infoworld, hielt Apple im November, nachdem es im August noch 15 Prozent gewesen waren. Zum Jahresende konnte man also nicht wie im Vorjahr, einen Schnitt machen: 1988 war Apples PC-Marktanteil von 13 Prozent im August: auf 19 Prozent im November gestiegen. Als einzige Chance für Apple, auf dem weitgehend gesättigten PC-Markt weiter bestehen zu können, sieht Analyst Bruce Lupatkin von Hambrecht & Quist Low-end-PCs mit Farbgraflk und Sonderfeatures wie Spracherkennung.