CW-Kolumne

Apples Lieferkette - Mehr als ein Sack Reis

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Ab dem 31. Januar kommt im New Yorker Public Theater zum wiederholten Mal ein Stück auf die Bühne, das Apple-Manager vermutlich nicht so gerne sehen: „The Agony and the Ecstasy of Steve Jobs“ lautet der Titel.
CW-Chefredakteur Heinrich Vaske: "Menschenverachtende Arbeitsbedingungen im Herstellungsprozess bedeuten ähnlich wie Umweltverbrechen oder Korruption ein beträchtliches Risiko für das Image sorgfältig aufgebauter Marken."
CW-Chefredakteur Heinrich Vaske: "Menschenverachtende Arbeitsbedingungen im Herstellungsprozess bedeuten ähnlich wie Umweltverbrechen oder Korruption ein beträchtliches Risiko für das Image sorgfältig aufgebauter Marken."
Foto: CW-Redaktion

Es handelt sich um einen Monolog des Schauspielers Mike Daisey, der sein Publikum auf provokativ-unterhaltsame Art über Apple aufklärt. Höhepunkt ist ein Reisebericht: Daisey hat im chinesischen Shenzen eine Fabrik des Apple-Auftragsfertigers Foxconn besichtigt, in der iPhones und iPads assembliert werden. Bis ins Detail erzählt er von den Arbeitsbedingungen und dem Leistungsdruck der Beschäftigten, ihren Lebensumständen – und von den 14 Mitarbeitern, die sich 2010 in ihrer Verzweiflung vom Dach einer Fabrik gestürzt hatten.

Berichte über Explosionen, Kinderarbeit und Selbstmorde in chinesischen Werken, die bekanntlich nicht nur für Apple, sondern für die meisten großen IT-Hersteller produzieren, gibt es zuhauf. Gleichzeitig wird in den großen IT-Unternehmen unverdrossen über „verantwortungsvolle Unternehmensführung“, „Code of Conducts“ oder „Unternehmensleitlinien“ geredet. Abgesehen von der ethischen Fragwürdigkeit ist dieses Verhalten auch wirtschaftlich riskant. Menschenverachtende Arbeitsbedingungen im Herstellungsprozess bedeuten ähnlich wie Umweltverbrechen oder Korruption ein beträchtliches Risiko für das Image sorgfältig aufgebauter Marken.

Immerhin: Der neue Apple-CEO Tim Cook ist in seiner kurzen Amtszeit schon aktiv geworden. Während Vorgänger Steve Jobs hier ein nur wenig kompromissbereiter Geheimniskrämer war, hat Cook erstmals eine Liste mit allen Lieferanten veröffentlicht – so, wie es HP und Intel übrigens schon lange tun. Zudem berichtet er im neuesten „Supplier Responsibility 2012 Progress Report“ von rund 80 Prozent mehr Inspektionen bei den Lieferanten als in den Vorjahren. Die Arbeitszeiten möchte er dort verkürzen, Kinderarbeit ganz abschaffen. Cook hat sich augenscheinlich vorgenommen, Apples Einfluss als Weltkonzern zu nutzen. Gut so!