"Tablet-Dienstag"

Apples iPad gegen Microsoft und Nokia

21.10.2013
Weihnachtszeit ist für Apple iPad-Zeit: Der Tablet-Marktführer will am Dienstag rechtzeitig zur Geschenke-Saison sein Angebot auffrischen. Die iPads müssen allerdings inzwischen gegen eine breit aufgestellte Konkurrenz antreten.

Nokia hat sich keinen guten Tag ausgesucht, um ins Tablet-Geschäft einzusteigen. Wenige Stunden nach der Nokia-Präsentation im Emirat Abu Dhabi dürfte Tablet-König Apple mit neuen Modellen seiner iPads alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Erwartet werden ein iPad mini mit deutlich schärferem Bildschirm ("Retina") sowie eine Generalüberholung des großen Modells. Die Produkt-Show von Apple in San Francisco wird vermutlich auch den zeitgleichen Marktstart der neuen Surface-Tablets von Microsoft in den Schatten drängen.

Das aktuelle iPad - morgen präsentiert Apple den Nachfolger.
Das aktuelle iPad - morgen präsentiert Apple den Nachfolger.
Foto: Apple

Die Events der drei Player an einem Tag zeigen, dass in dem Geschäft inzwischen mit härteren Bandagen gekämpft wird. Nach dem Start der ersten iPad-Generation vor dreieinhalb Jahren beherrschte Apple zunächst den Markt quasi ohne Konkurrenz. Inzwischen machen laut Marktforschern günstigere Tablets verschiedener Hersteller mit dem Google-Betriebssystem Android über die Hälfte des Geschäfts aus, während Apple der größte einzelne Anbieter bleibt. Und nun nehmen Microsoft und Nokia mit ihren Windows-Tablets einen zweiten Anlauf.

Nach den Berechnungen der Marktforscher von IDC ist der Anteil von Apple am Tablet-Markt im zweiten Quartal 2013 auf 32 Prozent gesunken. Dabei habe allerdings das Fehlen eines neuen iPad-Modells seit vergangenem Herbst den gesamten Markt gebremst - ein Hinweis, dass sich eine hohe aufgestaute Nachfrage nach neuen Apple-Tablets im Weihnachtsgeschäft entladen dürfte.

Apple verweist zudem gern darauf, dass in der Statistik zur Web-Nutzung auf Tablets das iPad nach wie vor haushoch dominiert. "Ich weiß nicht, was diese anderen Tablets machen. Sie müssen in Lagern oder Ladenregalen sein, oder vielleicht in Schubladen", spottete Konzernchef Tim Cook zuletzt im September. Apple werde sich auf keinen Fall auf einen Preiskampf im Keller einlassen: "Wir sind nicht im Ramsch-Geschäft", hakte er in einem Interview die Forderungen nach Preissenkungen ab.

Dank der höheren Preise und der effizienten Produktionskette bleiben die iPads nach wie vor ein verlässlicher Geldbringer. Aber die Konkurrenz sorgt mit neuen Modellen immer wieder dafür, dass Apple seinen Premium-Aufpreis rechtfertigen muss. Zuletzt brachten Google mit seinem Nexus 7 und Amazon mit dem Kindle HDX zwei neue Modelle ihrer Tablets auf den Markt, deren 7-Zoll-Bildschirme von einer höheren Pixel-Dichte profitieren. Mit einem Startpreis von 229 Dollar und Euro sind sie rund ein Drittel billiger als Apples günstigstes kleines iPad-Modell.

Apple werde nun am Dienstag ebenfalls ein iPad mini mit verbessertem Bildschirm vorstellen, bekräftigten das "Wall Street Journal" und die Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Montag seit Wochen köchelnde Gerüchte. Das große iPad soll demnach mit schmaleren Seitenrändern an das Design des kleineren Modells angepasst werden, außerdem habe es Apple dünner gemacht. Im Inneren soll der leistungsstarke A7-Chip aus dem neuen iPhone 5s einziehen. Ob Apple auch den Fingerabdruckscanner aus dem iPhone-Flagschiff einbaut, gilt hingegen als offen. Insgesamt sickerten vor der mutmaßlichen iPad-Präsentation deutlich weniger Informationen durch als vor der Vorstellung der iPhone-Modelle im September.

Insgesamt steht das Tablet-Geschäft immer noch erst am Anfang und ist nach wie vor ein schnell wachsender Markt. Der Tablet-Absatz werde in diesem Jahr um knapp 43 Prozent auf über 184 Millionen Geräte steigen, prognostizierte am Montag die Marktforschungsfirma Gartner. Für 2014 rechnen die Analysten mit einem Wachstum in ähnlicher Größenordnung. Damit wird die einst riesengroße Lücke zwischen verkauften PCs und Tablets immer kleiner. Apple-Chef Cook ist überzeugt, dass zum Jahr 2015 erstmals mehr Tablets als klassische Notebooks und Desktop-Rechner verkauft werden. (dpa/tc)