Produktfeuerwerk erwartet

Apple will mit großer Show zurück auf den Innovations-Olymp

08.09.2014
Fast ein Jahr lang hat Apple keine neuen Geräte vorgestellt. Jetzt wird ein Feuerwerk erwartet. Neben größeren iPhones soll mit einer Computeruhr auch der erste Vorstoß in eine neue Produktklasse seit dem Tod von Steve Jobs bevorstehen.

Neue größere iPhones, ein Handy-Bezahlsystem, die seit langem erwartete Computeruhr - wenn die Gerüchte stimmen, steht Apple vor einem großen Sprung. Für Konzernchef Tim Cook schlägt mit der Präsentation am Dienstag die Stunde der Wahrheit: Es werden die ersten Geräte gezeigt, die komplett in seiner Zeit an der Apple-Spitze entwickelt wurden. Vor allem an der Computeruhr würde gemessen, ob Cook die Fußstapfen seines legendären Vorgängers Steve Jobs ausfüllen konnte. Es wäre der erste Vorstoß von Apple in eine neue Produktkategorie seit dem iPad-Tablet vor über vier Jahren.

Wie vor jedem Apple-Event überschlagen sich die Gerüchte. Die beiden iPhones sollen mit Display-Diagonalen von 4,7 und 5,5 Zoll erstmals so groß wie die meisten Smartphones mit dem Google-System Android werden. Mit dem Bezahldienst solle man in Läden einfach sein iPhone an das Kassengerät halten können und den Betrag über dessen Fingerabdruck-Sensor statt per PIN oder Unterschrift bestätigen. Die Uhr kommt wohl in zwei Größen und soll neben Gesundheits-Sensoren ebenfalls den NFC-Funk unterstützen, auf dem der iPhone-Bezahldienst aufbaut.

Apple betreibt für das Event noch mehr Aufwand als bei den bisherigen Produkt-Vorstellungen und setzt dabei auch auf Symbole. Tim Cook und sein Team werden nämlich im Flint Theater in Cupertino auftreten, in dem Firmengründer Jobs vor 30 Jahren den ersten Mac-Computer vorstellte. Damals wurde erstmals ein modernes Benutzungskonzept für PCs mit Maus und grafischer Oberfläche für den Massenmarkt eingeführt, das heute noch Gültigkeit hat. Die Messlatte für das kommende Event liegt also hoch. Neben dem Flint Theater wurde ein riesiges weißes Gebäude ohne Fenster aufgebaut. Was drin ist, weiß man nicht. Auf der Website läuft ein Countdown zur Live-Übertragung.

Apple will sich in der öffentlichen Meinung die Rolle des Innovators zurückholen. Über Geld muss sich der Konzern angesichts der steten Flut von Milliardengewinnen und über 160 Milliarden Dollar auf der hohen Kante zwar keine Gedanken machen. Aber seine Rivalen Google und Samsung werden von manchen Beobachtern und vielen Kunden als die innovativeren Unternehmen wahrgenommen.

Google experimentiert mit Datenbrillen, selbstfahrenden Autos, Kurier-Drohnen. Und sein Android dominierte den Smartphone-Markt zuletzt mit einem Rekordanteil von fast 85 Prozent. Samsung ist zum größten Smartphone-Hersteller der Welt zwar vor allem mit seinen günstigen Modellen geworden, aber seine Spitzenmodelle wie das Galaxy S5 spielen in der iPhone-Klasse. Zudem beeilte sich Samsung, schon ein Jahr vor Apple mit seiner ersten Computeruhr vorzupreschen. Die ersten Geräte hatten noch Macken und wurden am Markt recht kühl aufgenommen. Bei den neuen Modellen werden die Rezensionen besser, wie bei der auf der IFA gezeigten Gear S mit Mobilfunk-Anbindung.

Und auch deshalb sind die Erwartungen ein eine Apple-Uhr so hoch. In den vergangenen Wochen und Monaten kam zwar eine Flut von Modellen diverser Hersteller auf den Markt. Aber die weitaus meisten hinterlassen das Gefühl, das Konzept ist noch deutlich verbesserungsfähig bei Laufzeit, Bedienung und Design. Kann Apple nach iPhone und iPad-Tablet auch in dieser Kategorie einen Maßstab setzen?

Die Uhr gehört zu Apples bisher ambitioniertesten Projekten. "Die Schweiz hat ein Problem", zitiert die "New York Times" Apple-Designchef Jony Ive unter Berufung auf Insider. Allerdings wird auch erwartet, dass eine eventuelle "iWatch" voraussichtlich erst im nächsten Jahr auf den Markt kommt, auch wenn sie schon jetzt vorgestellt werden sollte. Dafür spricht auch, dass auf keiner Gerüchte-Website bislang ein glaubwürdig aussehendes Foto der Apple-Uhr erschienen ist - während längst Bilder ihren Weg aus den Fabriken in Asien in die Öffentlichkeit gefunden haben, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die neue iPhone-Generation zeigen.

Tim Cook führt Apple transparenter als Firmengründer Steve Jobs.
Tim Cook führt Apple transparenter als Firmengründer Steve Jobs.
Foto: IDG News Service

Tim Cook führt Apple anders als Jobs. Er überlässt seinen Managern mehr Verantwortung und adressiert offensiv schwierige Themen wie die Arbeitsbedingungen in China oder den Umweltschutz. Als vor wenigen Tagen aus Apple-Profilen gestohlene Nacktfotos von Prominenten im Internet auftauchten, versprach Cook in einem Interview bessere Sicherheitsvorkehrungen. Zugleich betonte er aber auch, dass Apples Systeme technisch gesehen nicht geknackt worden seien. Vor dem Start eines Bezahldienstes kann sich Apple keine Zweifel der Verbraucher leisten.

Die Börse bedachte Apple diesmal schon mit Vorschuss-Lorbeeren. Die Aktie markierte vor wenigen Tagen ein Rekordhoch mit 103,74 Dollar - auch wenn sich manche Investoren direkt vor dem großen Apple-Event nervös zeigten und den Kurs wieder unter die 100-Dollar-Marke sinken ließen. (dpa/tc)