Ziel erreicht

Apple und IBM entwickeln über 100 Apps für Unternehmen

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Die Partnerschaft der beiden IT-Schwergewichte Apple und IBM trägt mehr und schneller Früchte als zuletzt erwartet/befürchtet: Kurz vor Jahresende wurde das angepeilte Ziel von über 100 IBM MobileFirst Anwendungen für iOS erreicht.
Wie im Juli 2014 vereinbart, haben Apple und IBM inzwischen mehr als 100gemeinsame Business-Apps entwickelt.
Wie im Juli 2014 vereinbart, haben Apple und IBM inzwischen mehr als 100gemeinsame Business-Apps entwickelt.

Wie angekündigt und geplant, haben Apple und IBM bei ihrer Partnerschaft termingerecht bis Jahresende 2015 über 100 unterschiedliche Business-Apps für iPhone, iPad und Apple Watch entwickelt. Ziel ist es, mit Hilfe der Apps die Arbeitsweise in 14 ganz unterschiedlichen Branchen und 65 Berufen, darunter Finanzberater, Flugbegleiter, Ersthelfer, Krankenschwester oder Einkäufer im Einzelhandel zu verändern. Zusätzlich wird das Portfolio derzeit um mehrere Branchen erweitert, darunter Verbrauchsgüter, Automotive, Altenpflege sowie die Chemie- und Mineralölindustrie. Die Apps sollen die Expertise von IBM bei Big Data und Analytics mit der bekannten Benutzererfahrung der Apple-Geräte kombinieren, um so mehr Effizienz, Effektivität und Kundenzufriedenheit zu erzielen.

Ziel: Mehrwert für Geschäftsprozesse

Das wirklich Neue, so Urs Schollenberger, Business Leader Mobile Enterprise für IBM in der DACH-Region, im CW-Gespräch, ist dabei der analytische Ansatz und die Suche nach Möglichkeiten, um jedes Endgerät sowie die darin integrierten Sensoren oder Kameras komplett auszunutzen, um einen Mehrwert in den Geschäftsprozessen zu schaffen. So würden Desktop-Anwendungen nicht einfach auf iPhone-Größe eingeschrumpft, sondern überlegt, wie man bestimmte Geschäftsszenarien technologisch unterstützen könne. Die Apple Watch eigne sich dabei beispielsweise gut für den Security-Safe-Bereich, um Mitarbeiter per Vibration vor Giftstoffen zu warnen.

In ähnlicher Weise entwickelt IBM derzeit auch spezielle Apps für das iPad Pro. Diese profitieren von der größeren Leistung, dem größeren Bildschirm und den Multitasking-Fähigkeiten von iOS 9. So können Experten in Zukunft parallel in zwei Apps nebeneinander arbeiten. Anwendungen mit Apple-Pencil-Unterstützung werden dabei noch mehr Präzision und Funktionalität liefern. Vorstellbar sind beispielsweise Raumplanung, Transaktionsaufzeichnung oder die schriftliche Ergänzung von Wartungsaufzeichnungen.

MobileFirst for iOS: Über hundert Apps, über hundert Kunden

Der größte Hersteller von Haushaltsgeräten in Europa, Bosch BSH, setzt auf die Fast Fix App.
Der größte Hersteller von Haushaltsgeräten in Europa, Bosch BSH, setzt auf die Fast Fix App.
Foto: IBM

Mit der neuen Fuhre an MobileFirst-Apps darf IBM erstmals auch einen Kunden aus dem DACH-Raum nennen: In Deutschland nutzen Servicetechniker des Hausgeräteherstellers Bosch Siemens (Bosch BSH) die neu entwickelte iPad-App Fast Fix, um Informationen über Störungen abfragen, Anleitungsvideos eingespielt zu bekommen und schlichtweg Kontakt zur Zentrale aufzunehmen. Weitere Unternehmen aus Deutschland werden nicht genannt. Interesse gebe es vor allem aus der Industrie, dem Einzelhandel, der Reisebranche und der Versicherungswirtschaft, sagte Schollenberger. Ein sehr interessanter Bereich sei auch das Gesundheitswesen, zum Beispiel mit der Betreuung von Patienten in Krankenhäusern. Hier gebe es in Deutschland aber regulatorische Hürden.

International wurden Air Canada, AXA, Coca-Cola Amatil, Japan Post, Rimac, SAS und Vodafone Niederlande als weitere neue Kunden aus dem MobileFirst-for-iOS-Programm genannt. Das Portfolio an Apps umfasst unter anderem Anwendungen zum Planen von Geschäftsreisen, für Telefonkonferenzen oder Hotelmanagement, sowie für einzelne Berufsgruppen wie Vertriebsmitarbeiter, Autohändler, Zugbegleiter oder Bankberater. Ein weiterer Bereich sind Anwendungen für ältere Menschen, die darüber Kontakt zu Betreuern, Verwandten oder auch Einzelhändlern halten können.

Wieviele Unternehmen insgesamt bereits die aus der Partnerschaft entstandenen Enterprise-Apps im Einsatz haben oder planen, wird von IBM und Apple nicht kommuniziert. Urs Schollenberger, Business Leader Mobile Enterprise für IBM in der DACH-Region, erklärte jedoch im CW-Gespräch, dass jede einzelne App in enger Zusammenarbeit mit einem Kunden in Hinblick auf einen spezifischen Anwendungsfall entwickelt werde. Daraus können man entsprechende Rückschlüsse auf die ungefähre Kundenzahl ziehen.

Auch wenn die Anwendungen nicht exklusiv sind, müssen Unternehmen laut Schollenberger nicht fürchten, dass Konkurrenten die genau gleiche Lösung in Einsatz nehmen und damit ein möglicher Wettbewerbsvorteil schmilzt. So seien die Apps nur zu 70 Prozent vorentwickelt und würden zu 30 Prozent dann individuell an die speziellen Wünsche des Kunden angepasst.

Watson, übernehmen Sie!

Historischer Pakt: IBM-CEO Virginia Rometty (links im Bild) mit Apple-Chef Tim Cook
Historischer Pakt: IBM-CEO Virginia Rometty (links im Bild) mit Apple-Chef Tim Cook
Foto: Courtesy of Apple/Paul Sakuma

IBM bringt in die Anwendungen auch Technologien seines Supercomputers Watson ein, unter anderem, um durch maschinelles Lernen die richtigen Informationen im richtigen Moment bereitzustellen. Existierende App-Beispiele dafür gibt es etwa im Banking-Bereich, wo bei der Kreditberatung Marktdaten und die Bonität des Kunden dynamisch abgeglichen werden. Als weiteres Anwendungsbeispiel nennt Schollenberger eine App für Einkäufe im Retail-Bereich, wo auf Basis von verschiedenen Informationen wie die aktuellen Marktpreise oder einer Trendanalyse aus historischen Daten Produkte vorgeschlagen werden.

Die beiden Unternehmen hatten im Juli 2014 die Kooperation bei der Entwicklung von Apps für den Einsatz auf Apple-Geräten in Unternehmen geschlossen. Die Partnerschaft wurde von Marktbeobachtern auch als Versuch von Apple gesehen, die Position im Geschäft mit Unternehmen gegenüber Rivalen wie Microsoft und Google zu verbessern und auch den zuletzt schwächelnden Absatz der iPad-Tablets anzukurbeln. (mit Material von dpa)