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Apple: Neuigkeiten diesmal für Profis

01.09.1999
Neue Powermacs mit G4-Prozessor

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Als Steve Jobs gestern seine Keynote-Rede auf der Seybold Publishing-Konferenz ´99 in San Franzisko hielt, schien zunächst alles beim alten - der Vortrag samt Folien und Demo-Vorführungen glich aufs Haar dem der Macworld Expo vor einigen Wochen. Nach einigen neuen Details zum für Oktober 1999 angekündigten Mac-OS 9 kam der Interims-CEO dann aber doch noch ordentlich zur Sache: Er präsentierte dem Publikum die neuen Apple-Desktops mit dem "G4"-Prozessor, den Apple wie gewohnt mit IBM und Motorola gemeinsam entwickelt hat.

Dieser Chip mit der offiziellen Produktbezeichnung "PowerPC 7400" verfügt über eine neuartige Architektur, von der vor allem multimediale und rechenhungrige Anwendungen profitieren können. Neben den bei herkömmlichen CPUs üblichen Arbeitsbereichen für Branches, Integer- und Fließkommabrechnungen besitzt der G4 eine sogenannte "Velocity-Engine" (früherer Motorola-Codename: "Altivec"), die mit einer Bandbreite von 128 Bit arbeitet und eine Vektor-Parallelisierung von Befehlen ermöglicht, die bisher nur von wissenschaftlichen Supercomputern bekannt war. Damit erreicht der Chip eine Rechenleistung, die laut Hersteller dauerhaft über 1 Gflops (einer Milliarde Fließkommaberechnungen pro Sekunde) liegt und einen Spitzenwert von fast vier Gflops ermöglicht.

Um diesen Prozessor herum hat Apple seine neuen Powermacs entwickelt, die die noch nicht einmal ein Jahr alten blau-weißen G3-Desktops ablösen - sicher nicht unbedingt zur Freude der Kunden, die gerade erst ein solches Gerät erworben haben. Zumindest das Design bleibt bis auf die Farbegestaltung erhalten, die neuen Geräte kommen in einem silber-anthrazitfarbenen Gehäuse daher. Sie richten sich klar an Profi-Anwender aus dem grafischen Gewerbe und der Multimedia-Produktion.

Die G4-Linie ist standardmäßig in drei Ausführungen erhältlich, die zwischen 3850 und 8400 Mark kosten und deren Prozessoren mit 400, 450 (ab September) sowie 500 Megahertz (ab Oktober) getaktet sind. Das Topmodell wird mit 256 MB Arbeitsspeicher (maximal 1,5 GB), einer 27-GB-Ultra-ATA-66-Festplatte sowie DVD-RAM-Laufwerk geliefert. Wer die Ausstattung nach eigenen Wünschen gestalten möchte, kann im elektronischen Applestore zwischen 8000 verschiedenen Built-to-Order-Konfigurationen wählen. Ende November kommen auch noch drei dezidierte Server-Maschinen dazu, eine davon mit dem hauseigenen Betriebssystem "Mac-OS X Server".

Als passenden Begleiter zu dieser laut Jobs "schnellsten Photoshop-Maschine der Welt" liefert Apple das "Cinema Display". Dieser neue LCD-Bildschirm mit einer Diagonale von 55,9 Zentimetern und einer Auflösung von 1600 x 1024 Bildpunkten wird vom G4 komplett digital angesteuert. Nicht nur wegen seines Preises von 4000 Dollar, sondern auch wegen der problematischen Verfügbarkeit derartig großer Flüssigkristallbildschirme dürfte das Cinema Display allerdings nur in absoluten "Traumkonfigurationen" anzutreffen sein.

Alle jene, die auf einen neuen iMac - möglicherweise mit größerem Bildschirm - gewartet hatten, müssen sich noch weiter gedulden. Aber keine Angst, die nächste Macworld Expo oder Comdex kommt bestimmt...