Tim Cook verteidigt sich

Apple ist nicht knauserig

13.02.2013
Apple zeigt sich bereit, seinen Aktionären etwas mehr von seinem Milliardenberg abzugeben.
CEO Tim Cook fühlt sich in der Chefrolle bei Apple offenbar immer sicherer.
CEO Tim Cook fühlt sich in der Chefrolle bei Apple offenbar immer sicherer.
Foto: Apple

Apple sei dazu in der Lage und Gespräche darüber liefen, betonte Konzernchef Tim Cook bei einem Auftritt vor Investoren am Dienstag. Die Frage nach einem günstigeren iPhone, über das derzeit viel spekuliert wird, ließ Cook offen. Zugleich nutzte er die Gelegenheit, um inmitten eines drastischen Kursrückgangs der Apple-Aktie die Stärke des Unternehmens anzupreisen. Der Auftritt demonstrierte, dass der scheu wirkende 52-Jährige sich in der Chefrolle bei Apple immer sicherer fühlt.

"Es gibt nur eine Sache, die Apple nie tun würde: Lausige Produkte herstellen. Das ist die einzige Religion, die wir haben", sagte Cook zu Fragen nach einer günstigeren iPhone-Version. Damit ließ er die Möglichkeit im Prinzip offen - jedenfalls, wenn Apple für einen niedrigen Preis keine Kompromisse bei der Qualität eingehen muss. Als ein Beispiel nannte Cook die Entwicklung des Modellpalette beim Multimedia-Player iPod mit günstigeren neuen Versionen. Zugleich verwies er aber auch darauf, dass Apple bereits ältere iPhone-Varianten günstiger anbiete.

Apple habe keine Angst, mit neuen Geräten die Verkäufe bisheriger eigener Modellreihen zu schwächen, betonte der Konzernchef mit Blick auf die Einführung des kleineren iPad mini im vergangenen Jahr. "Wenn man anfängt, sich Sorgen über eine Selbstkannibalisierung zu machen, ist das der Anfang vom Ende - weil es immer jemand anderen geben wird." Zugleich sehe er für Apple derzeit keinen Druck, um der Marktanteile willen auf Rendite zu verzichten.

Apple plane langfristig, betonte Cook auf der Investorenkonferenz von Goldman Sachs in San Francisco mit Blick auf den Einbruch der Apple-Aktie nach Vorlage jüngster Geschäftsergebnisse. "Die Quartalszahlen sind wichtig für uns, aber die tiefgreifenden Entscheidungen werden auf lange Sicht getroffen." Er sei nie zuversichtlicher für die Zukunft von Apple gewesen. Die Anleger waren nicht überzeugt: Die Aktie stand nach Cooks Auftritt um über zwei Prozent im Minus. Sie fiel vom Höchststand bei 700 Dollar im September auf zuletzt rund 470 Dollar.

David Einhorn will mehr von Apples Bargeld für die Aktionäre.
David Einhorn will mehr von Apples Bargeld für die Aktionäre.
Foto: Columbia University

Cook wies den Vorwurf eines Großaktionärs zurück, das Unternehmen horte wegen früherer Krisenerfahrungen zu viel Geld: "Apple besitzt keine Mentalität wie in der Großen Depression", sagte er. Apple investiere kräftig: in Läden, in Innovationen, in neue Produkte und in die Lieferkette. "Wir kaufen ausgesuchte Unternehmen." Der Konzern habe sich zwar auch größere Firmen als mögliche Übernahmeziele angesehen, aber die Pläne stets verworfen. "Wir verspüren keinen Druck, Umsätze dazuzukaufen. Wenn ein großes Unternehmen uns helfen kann, großartige Produkte zu bauen, werden wir zuschlagen. Aber das Geld brennt uns kein Loch in die Tasche."

Cook räumte zugleich unter Lachern aus dem Publikum ein: "Wir haben einiges Bargeld." Zum Jahreswechsel hatte der Konzern 137 Milliarden Dollar (umgerechnet 102 Milliarden Euro) auf der hohen Kante. Der Hedgefonds-Manager David Einhorn verlangt, dass Apple seine Anteilseigner über die Ausgabe von Vorzugsaktien noch stärker an diesem Reichtum teilhaben lässt.

"Wir schauen uns den Vorschlag an", sagte Cook. Es liefen Gespräche darüber, mehr Geld an die Anteilseigner auszuschütten und Apple sei dazu in der Lage. Die Klage Einhorns gegen Apple nannte er allerdings einen "dümmlichen Nebenkriegsschauplatz". Cook setzte im vergangenen Jahr bereits einen Aktienrückkauf und Dividendenzahlungen im Gesamtvolumen von 45 Milliarden Dollar in Gang. (dpa/tc)

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