Berlecon-Studie

Apple iPhone noch nicht reif für Großunternehmen

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Laut einer aktuellen Studie von Berlecon Research und Fraunhofer ESK sollten große Unternehmen mit der Einführung des iPhone noch warten, bis bestehende Hürden für Geschäftskunden abgebaut sind.

Nach anderen ähnlichen Befunden (unter anderem von Gartner und Computerworld) kommt nun auch Berlecon Research gemeinsam mit Fraunhofer ESK zu dem Resultat, dass sich das Apple iPhone auch nach dem Firmware-Update (iPhone 2.0) noch nicht für den Einsatz in großen Unternehmen eignet. In der aktuellen Studie "Das iPhone im Unternehmenseinsatz" nennen die Verfasser neben zahlreichen kleineren Mankos insgesamt fünf zentrale Hürden, die die Business-Tauglichkeit des Kult-Handys einschränken:

1. Provider-Bindung

Nach Ansicht von Nicole Dufft, Geschäftsführerin von Berlecon Research, könne hierzulande bereits die Bindung an Exklusiv-Provider T-Mobile und somit an dessen Tarife ein Ausschlusskriterium für das Apple iPhone darstellen. Dies gelte insbesondere für Unternehmen, die Rahmenverträge mit anderen Mobilfunkanbietern abgeschlossen haben. Hinzu komme, dass die Telekom-Tochter bisher keine speziellen Business-Tarife für das iPhone beziehungsweise eine Integration in bestehende Rahmenverträge anbiete.

2. Bindung an ActivSync beziehungsweise Microsoft Exchange

Mit der neuen Firmware iPhone 2.0 unterstützt das Apple-Smartphone Push-E-Mails und die vollständige drahtlose Synchronisation von Kontakt- und Kalenderdaten. Der Haken: Push-E-Mails sind nur über ActiveSync, also vor allem mit Microsoft Exchange möglich. Unternehmen, die eine andere Groupware wie Novell Groupwise oder Lotus Domino von IBM einsetzen, können das iPhone vorerst nicht an ihre Groupware anbinden und müssen für die Synchronisation von E-Mails auf Middleware von Drittanbietern oder den Browser-basierten Zugang zurückgreifen. Berlecon weist darauf hin, dass IBM zwar bereits zum Jahresbeginn einen iPhone-Client angekündigt habe, dieser funktioniert aber nur online als Web-Client - da diese Applikation nicht im Hintergrund laufen kann, sind Push-Mails nicht möglich.

3. Unzureichende Administration

Zwar bietet Apple für das iPhone eine Reihe von Management-Funktionen und -Dienste. Effizientes Device-Management ist laut Berlecon jedoch nur bei einer kleinen Anzahl von iPhones gewährleistet. Firmen, die iPhones im großen Stil einsetzen wollen, rät Berlecon-Chefin Dufft daher zu Geduld, bis eine zentrale umfassendere Administrierbarkeit gewährleistet wird. Denkbar seien Lösungen von Drittanbietern (bei entsprechender Marktnachfrage) oder Funktionserweiterungen durch Apple selbst.

4. Gefährliche Sicherheitslücken

Auch im Bereich Security ist laut Berlecon und Fraunhofer ESK Nachbessern angeraten. So weist Albert Heim, technischer Analyst bei der Fraunhofer ESK, unter anderem darauf hin, dass der Zugangsschutz beim Apple iPhone zwar über ein Gerätepasswort realisiert werden kann. Dieser Mechanismus lasse sich jedoch einfach durch den Benutzer deaktivieren. Außerdem könne das iPhone keine verschlüsselten E-Mails empfangen oder versenden.

5. Softwareverteilung über Apple

Problematisch sehen die Researcher auch die Tatsache, dass neue Software ausschließlich über den App Store beziehungsweise über iTunes bezogen werden kann. Damit nicht genug muss die gewünschte Applikation auf jedem Gerät einzeln installiert werden. Eine Verteilung per Push und ohne Benutzerinteraktion ist nicht möglich. Für große Unternehmen mit einer Vielzahl an iPhones sei dieses Prozedere schlichtweg nicht praktikabel.

Die Verfasser der Studie sind sich daher einig, dass - neben Schwächen bei der Sicherheit - die vorhandenen Funktionen und Dienste für eine zentrale, unternehmensweite Administration nicht ausreichend seien - zumindest nicht, wenn mehr als eine Handvoll iPhones eingesetzt werden soll. Kleineren Unternehmen mit nur wenigen iPhone-Nutzern und geringeren Anforderungen an Administrierbarkeit und Sicherheit biete das iPhone 2.0 aber mehr als ausreichende Funktionen und einen intuitiven Zugang zu mobilen E-Mails und PIM-Daten.