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Apple goes Open Source

16.03.1999
Mac-OS X wird deutlich billiger als geplant

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Apples Interims-Chef Steve Jobs will nach US-Presseberichten Teile von Apples neuem Server-Betriebssystem "Mac-OS X" im Quellcode offenlegen und Entwicklern nach dem Open-Source-Prinzip zur Verfügung stellen. Er spekuliert darauf, daß Apples Kultstatus ähnlich motivierend auf Entwickler wirkt, wie das bei der Linux-Gemeinde der Fall ist.

Mit der teilweisen Öffnung des Betriebssystems reiht sich Apple in einen durch Linux ausgelösten Trend ein, dem auch schon verschiedene kommerzielle Unix-Anbieter (Sun, Silicon Graphics) folgen. Auch Mac-OS X ist im Kern ein Unix-Betriebssystem, das auf dem ehemaligen "Next"-Betriebssystem mit "Mach"-Kernel aufbaut. Es soll jedoch nicht so weit geöffnet werden, daß die Programmierer Mac-Clones für die Rechner anderer Hersteller erstellen können.

Das Erfolgsrezept von Linux, das Betriebssystem durch kostenlose externe Entwickler verbessern zu lassen und damit zugleich die Akzeptanz in der Fachwelt zu erhöhen, ist jedoch nicht beliebig kopierpar. In der Regel richtet sich das Engagement der Programmierer nämlich auf nicht-kommerzielle Software. Außerdem gibt es schlicht nicht genug Entwickler für alle Hersteller, die sich aus der Szene Hilfe erhoffen. Hier werden Apple jedoch bessere Chancen eingeräumt als vielen Mitbewerbern. Die Hard- und Software aus Cupertino hat bei vielen Usern immer noch Kultstatus und gilt ähnlich wie Linux als eine der wenigen Alternativen zur ungeliebten Wintel-Welt. Hinzu kommt, daß die Programmierer bei Mac-OS-X-Projekten dank der Unix-Basis nicht wie bei den bisherigen Mac-Betriebssystemen in eine ganz neue Umgebung eintauchen müssen.

Außerdem soll das neue Betriebssystem mit 300 bis 600 Dollar (je nach Konfiguration) deutlich preiswerter ausfallen als bislang gemeldet. Ursprünglich sollte Mac-OS X inklusive dem Application Server "WebObjects" für knapp 1000 Dollar auf den Markt kommen.