Kommentar zum aktuellen Streitfall

Apple gegen FBI

Wolfgang Plank beschäftigt sich seit 2008 mit dem Thema Sicherheit von mobilen Geräten im Unternehmenskontext, und veröffentlicht hierzu unter anderem in dem Blog www.secure-ios.de oder in diversen anderen Medien. Außerdem widmet er sich weiteren Themen der Informationssicherheit wie SIEM, Sicherheit in der Softwareentwicklung oder Kryptographie.

Hat eine staatliche Behörde das Recht, sich per Gerichtsurteil den Zugriff auf das mobile Gerät eines mutmaßlichen Verbrechers zu erstreiten? Die Meinungen gehen auseinander.

Immer größere Wellen schlägt der Streit zwischen dem FBI und Apple um die Entsperrung eines iPhones . Dabei führen die Befürworter und die Gegner unterschiedliche - durchaus plausibel klingende - Argumente an, um den jeweilen Standpunkt zu verteidigen.

Die Verschlüsselungspraxis des iPhone steht im Mittelpunkt des Streits.
Die Verschlüsselungspraxis des iPhone steht im Mittelpunkt des Streits.
Foto: ymgerman- shutterstock.com

Streitpunkt ist das iPhone, welches im Rahmen der Terroranschläge von San Bernardino sichergestellt wurde, bei dem vierzehn Menschen ums Leben kamen. Wenn es nach den amerikanischen Behörden geht, ist der Fall ganz einfach: Für ein mehr an Sicherheit muss ein wenig Privatsphäre aufgegeben werden. Ein mehr an Sicherheit bedeutet, die Verhaftung von möglichen Hintermännern oder Kontaktpersonen und dies alles nur für den Preis eines entsperrten iPhones. Apple aber wehrt sich vehement gegen jegliche Art von Eingriffen in die Sicherheitsmechanismen des iPhones, zu groß ist die Angst einen Präzedenzfall zu schaffen für weitere Entschlüsselungsanfragen, oder dass bereitgestellt Werkzeuge zum Generalschlüssel für Apple Geräte mutieren.

Apple trägt nun die Diskussion bewusst in die Öffentlichkeit und fordert eine offene Debatte über das Thema. Die Angst vor einer erneuten staatliche verordneten Abschwächung von Kryptografie, wie sie bereits in den 1990er Jahren in den sogenannten Crypto Wars stattgefunden hat, ist zu groß.

Datenzugriff mobil - aber bitte geschützt - Foto: ArtFamily - shutterstock.com

Datenzugriff mobil - aber bitte geschützt

Meiner Meinung nach vertritt Apple den richtigen Standpunkt. Jegliche Änderung an Software oder Hardware die für eine Abschwächung oder Abschaltung von Sicherheitsfunktionen bereitgestellt wird, impliziert eine Verletzung des Sicherheitskontextes des zugrunde liegenden Systems. Dies wiederum kann zu einer Vielzahl von Problemen führen. Die Nutzung durch unberechtigte Dritte oder ein Missbrauch durch Geheimdienste sind dabei nur die offensichtlichsten. Nicht nur in Amerika gilt: wenn staatliche Organe den Zugriff auf private Daten mit dem Argument von persönlicher Sicherheit verkaufen, müssen alle Alarmglocken schrillen. Meist haben Politik und Sicherheitsbehörden dann an ganz anderer Stelle bereits versagt. (bw)

 

Mark Zimmermann

Möglichkeiten des FBI: Das FBI kann auf die iPhone-Daten zugreifen! http://www.computerwoche.de/a/...

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