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Börse unbeeindruckt

Apple bringt Hollywood online ins Wohnzimmer

16.01.2008
Ein Jahr nach der Präsentation des Apple-Handys iPhone hat Konzernchef Steve Jobs eine neue Initiative zur Eroberung des "digitalen Heims" gestartet.

Nach den Vorstellungen des Apple-Chefs müssen Film-Liebhaber für den Videoabend zu Hause künftig nicht mehr zum DVD-Verleih um die Ecke fahren oder sich Filme per Post schicken lassen, sondern können die Filme online ausleihen. Für die hochfliegenden Pläne sicherte sich Apple die Unterstützung aller maßgeblichen Hollywood-Studios.

Bei iTunes Video Rentals machen alle großen Hollywood-Studios mit.
Bei iTunes Video Rentals machen alle großen Hollywood-Studios mit.
Foto: Apple

"Dieses Konzept ist für den Videoverleih so revolutionär wie es einst der iTunes-Onlinestore für die Musikindustrie war", lautete die Reaktion von Michael Gartenberg, Research Director des US-Marktforschungsinstituts Jupiter Research unmittelbar nach der Präsentation von Jobs. Auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas habe man das DVD-Nachfolgeformat Blu-ray als Sieger über HD DVD gefeiert. "Vielleicht erweist sich ja Apple als wahrer Gewinner, weil künftig niemand mehr Silberscheiben braucht", sagte Gartenberg nach der Präsentation der dpa.

Kein Computer nötig

Für das Ausleihen der Videos via "iTunes Movie Rentals" benötigen Apple-Kunden künftig nicht einmal einen Computer. Mit der neu aufgelegten Settop-Box "Apple TV Take Two" gelangen die Filme direkt aus dem Netz auf den heimischen Fernseher. Drei Dollar für Klassiker und vier Dollar für aktuelle Filmhits verlangt Apple in den USA. Für einen Dollar Aufpreis kommen die Videos auch in "High Definition" ins Haus. Preise für den europäischen Markt stehen noch nicht fest.

Apple TV Take 2 braucht keinen Rechner mehr im Hintergrund.
Apple TV Take 2 braucht keinen Rechner mehr im Hintergrund.

Die Branche fragt sich nun, ob Apple seinen sensationellen Erfolg im Musikmarkt mit dem Online-Videoverleih wiederholen kann. Seit der Eröffnung des iTunes-Stores im Jahr 2003 hat Apple insgesamt mehr als vier Milliarden Musikstücke online verkauft. "Unseren Rekord haben wir kürzlich an Weihnachten erzielt, als an einem Tag 20 Millionen Songs heruntergeladen wurden", sagte Jobs.

Kontroverse mit der Musikindustrie

Der Apple-Chef ging in seiner Präsentation jedoch nicht auf die jüngste Kontroverse mit Unternehmen aus der Musikindustrie ein, die Musik ohne Kopierschutz über den Apple-Konkurrenten Amazon.com vermarkten, Apple - mit Ausnahme von EMI - jedoch nur Stücke mit dem umständlichen "Digital Rights Management" zur Verfügung stellen.

Ross Rubin, "Techworld"-Analyst des US-Marktforschungsunternehmens NPD, sieht neben Apple vor allem Microsoft und Sony in einer guten Ausgangsposition, den wachsenden Online-Videoverleih zu dominieren. "Mit (den Spielekonsolen) Playstation 3 und Xbox 360 haben Sony und Microsoft bereits Trojanische Pferde im Wohnzimmer platziert", sagte Rubin der dpa. Ob dies Steve Jobs mit Apple TV auch gelingen werde, bleibe abzuwarten. Außerdem seien in diesem Marktsegment auch Kabel- und Internet-Provider mit Video-on-Demand-Angeboten unterwegs.

Börse unbeeindruckt

Die Börse reagierte zunächst mit einem kräftigen Abschlag und drückte den Kurs der Apple-Aktie um fast zehn Dollar auf 160 Dollar, ein Minus von immerhin 5,4 Prozent. Allerdings hatte das Apple-Papier in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich zulegt und sich im Jahr 2007 mehr als verdoppelt; die Technologiewerte an der Wall Street wurden zudem allesamt von Intels enttäuschenden Zahlen in Mitleidenschaft gezogen.

Die Börsianer ließen sich auch nicht vom "dünnsten Notebook der Welt", dem neuen "MacBook Air", beeindrucken, für das Steve Jobs im Moscone Center viel Beifall von den Besuchern der MacWorld Expo erhielt. Mit dem MacBook Air setzt Apple neue Maßstäbe: An der schmalsten Stelle ist das Notebook nur noch vier Millimeter dick, die maximale Gehäusehöhe beträgt gut 1,9 Zentimeter.

Apple will mit dem neuen Gerät seinen Erfolg im Segment der tragbaren Computer ausbauen. Zuletzt kam Apple in den USA auf rund 15 Prozent Marktanteil und schob sich damit hinter Hewlett-Packard und Toshiba auf Platz drei der größten Laptop-Hersteller vor. (dpa/tc)