Arbeitsmarkt

App-Entwickler: Höhenflug mit Tücken

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
App-Entwickler, ob angestellt oder frei tätig, sind begehrt und genießen derzeit die Sonnenseite des Arbeitsmarkts. Erste kritische Stimmen warnen allerdings davor, sich zu stark zu spezialisieren.
Das Geschäft mit den mobilen Anwendungen wächst nach wie vor.
Das Geschäft mit den mobilen Anwendungen wächst nach wie vor.
Foto: vege - Fotolia.com

Nicht nur junge Menschen oder Hightech-Profis nutzen heute mobile Anwendungen. Branchenkennern zufolge wird sich dieser Trend noch verstärken, vor allem da Mobilgeräte bald noch günstiger zu haben sein werden. Bei einem solchen Massenmarkt sollten sich Unternehmen genau überlegen, wie sie es schaffen, in den Augen mobiler Kunden gut auszusehen.

Damit dies gelingt, benötigen sie die richtigen Anwendungen, hoffentlich von Profis entwickelt - die allerdings nicht ganz leicht zu bekommen sind. So hat zum Beispiel der Münchner Digitaldienstleister Valtech H20 auf der Suche nach App-Entwicklern sein Team jüngst durch drei ausländische Experten verstärkt. Sie alle haben die Anforderungen des Unternehmens erfüllt, indem sie Know-how in Java und mit mobilen Programmiersprachen wie Objective-C, Erfahrung in der Android-Entwicklungsumgebung sowie ein gewisses Auge für das Layout mitgebracht haben.

Von Mallorca nach München

Einer der drei Newcomer ist der Portugiese Pedro Santos. Seinen vorherigen Arbeitsplatz als App-Entwickler in Palma de Mallorca tauschte er gegen neue Projekte bei der Valtech-Niederlassung in München. Er ist überzeugt, dass Mobile-Entwicklungen die Zukunft gehört. Da Santos in unterschiedlichen Branchen tätig war, hat er viel Erfahrung gesammelt. Seine wichtigste: Die Kunden wollen eine Lösung, und die wollen sie schnell. Sie sind weniger an der Technik, sondern an einer funktionierenden Lösung interessiert.

App-Entwickler Pedro Santos, Valtech H20: "Unsere Kunden sind weniger an der Technik interessiert, sie wollen eine funktionierende Lösung."
App-Entwickler Pedro Santos, Valtech H20: "Unsere Kunden sind weniger an der Technik interessiert, sie wollen eine funktionierende Lösung."
Foto: Privat

Bei Valtech entwickelt Santos gemeinsam mit Kollegen für den Kunden Bestsecret eine iPhone-App weiter. Zurzeit arbeitet er an neuen Features, um Schnäppchenjägern in einem Shopping-Club das Einkaufen noch einfacher zu machen. Spezielle Markenfirmen stellen ihre Angebote ins Portal ein. Wenn die Unternehmen bekannt geben, welche Artikel sie gerade bewerben, können die Interessenten schnell zuschlagen.

Für Santos steht fest, dass App-Entwickler nicht nur technikaffin sein sollen: "Unsere Hauptaufgabe ist es festzustellen, was der Auftraggeber benötigt." Befragt, was in seinem Job am wichtigsten ist, meint er: "You always have to think ahead."

Zu den erfahrenen App-Entwicklern gehört Walantis Giosis, dessen erste Anwendung ziemlich bekannt ist: wetter.com. Der Diplominformatiker bringt für die Entwicklung beste Voraussetzungen mit. Schon 2003 hat er auf dem Mac programmiert und 2007 ein großes Shareware-Programm entwickelt. Darüber hinaus war er für SAP, den SWR und BMW tätig. Je erfolgreicher die Apps, desto zahlreicher wurden die Anfragen. Als Giosis im vergangenen Jahr merkte, dass er die Aufträge nicht mehr allein bewältigen konnte, wurde aus dem Freelancer ein Unternehmer.

Vom Entwickler zum Unternehmer: Walantis Giosis ist mit Apps wie Wetter.com ziemlich erfolgreich.
Vom Entwickler zum Unternehmer: Walantis Giosis ist mit Apps wie Wetter.com ziemlich erfolgreich.
Foto: Privat

Die Veränderungen in der App-Welt hat der Softwareprofi genau beobachtet: "Während Unternehmen zu Beginn mit ihrer App vor allem dabei sein wollten, überlegen sie sich heute sehr genau, was es zu erreichen gilt." Einerseits wollen sie laut Giosis ein neues Produkt oder einen neuen Service anbieten, andererseits sollen die Apps gut aussehen und intuitiv bedienbar sein. Aus diesem Grund seien die Anforderungen an die Entwicklung der Apps immens gestiegen. "Die Firmen hoffen, durch das Spielerische Kunden neugierig zu machen", erklärt er.

Auch wenn Giosis als Unternehmer von der guten Auftragslage profitiert, ist er überzeugt, dass das Gros der Unternehmen App-Entwickler am liebsten fest anstellen will. Immer mehr Firmen würden versuchen, ihre eigenen App-Teams zusammenzustellen und sich so das passende Know-how ins Haus zu holen. Seiner Meinung nach sind die Unternehmen vor allem an Young Professionals interessiert. Zum einen seien die Neueinsteiger nicht so teuer, zum anderen würden gestandene Informatiker auf Dauer nicht nur Apps entwickeln wollen. "Irgendwann wird auch das zur Routine", meint er. Insgesamt aber sieht Giosis noch kein Ende des Entwicklungsbooms für mobile Systeme. Dennoch warnt er davor, sich nur auf die App-Welt zu konzentrieren. Gerade IT-Freelancer sollten diesen Fehler keinesfalls begehen.

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