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Apache plant freie Java-Implementierung

10.05.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mitglieder der Apache Software Foundation (ASF) kündigten an, dass sie unter dem Codenamen "Harmony" ein Projekt zur Entwicklung einer freien J2SE-Implementierung ins Leben rufen wollen. Gemäß den Apache-eigenen Verfahren befindet sich dieses Vorhaben zurzeit im "Incubator"-Status, wo seine Zulassung als eigenständiges Projekt geprüft wird.

Nachdem unter dem Dach der ASF bereits eine ganze Reihe von Java-Projekten angesiedelt ist, scheint J2SE als wesentlicher Stein in diesem Open-Source-Mosaik zu fehlen. Die bisherigen Aktivitäten decken das ganze Spektrum von Tools über Bibliotheken und eine Servlet-Realisierung ("Tomcat") bis zu kompletten Java-Anwendungen ab.

Harmony als Basis für freie Java-Projekte

Harmony würde dafür das Fundament bilden, weil es die Kernbestandteile von Java umfasst, darunter die Virtual Machine (JVM) und die gesamten Programmierschnittstellen. Da J2SE eine Teilmenge der Funktionen spezifiziert, die auch in Java 2 Enterprise Edition (J2EE) benötigt werden, könnte das geplante Projekt die Basis für Geronimo bilden. Es handelt sich dabei um ein Apache-Vorhaben zur Realisierung eines J2EE-Servers.

Harmony wird J2SE 1.5 umsetzen, das nach der neuesten Sun-Konvention auf den Namen "Java 2 Platform Standard Edition 5.0" hört. Für dieses "Tiger"-Release gelten liberalere Lizenzbedingungen, die zusammen mit den geänderten Statuten für den Java Community Process (JCP) Open-Source-Versionen erst möglich machen. Am Projekt wollen mehrere Entwickler teilnehmen, die sich bereits an früheren Versuchen beteiligten, einen Java-Clone ohne den Segen von Sun zu programmieren. Zu diesen Initiativen zählten "Kaffe" und "Classpath".

Wert einer weiteren J2SE-Implementierung fraglich

Die Reaktionen auf die Ankündigung waren überwiegend skeptisch oder kritisch. Besonders auf TheServerSide, einer populären Site für Java-Entwickler, entspann sich eine Diskussion über den Nutzen eines solchen Vorhabens. Die Realisierung von J2SE gilt als sehr aufwändig und dürfte verschiedenen Prognosen zufolge mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Sun investierte in seine Referenzimplementierungen Millionen von Dollar und zahllose Mannjahre.

Angesichts dieses Aufwands und uneingeschränkt verfügbarer Implementierungen von Sun, IBM oder Bea sei nicht ersichtlich, worin der Vorteil einer weiteren Ausführung unter einer Open-Source-Lizenz bestünde. Andere freie J2EE-Server wie "Jboss" oder "Jonas" setzen standardmäßig auf die marktgängigen JVMs der kommerziellen Anbieter auf.

Begrenzte Unterstützung durch Sun

Sun Microsystems äußerte sich noch nicht offiziell zum geplanten Apache-Vorhaben. Die Unix-Company dürfte es nicht als Konkurrenz empfinden, da es mit den Referenzimplementierungen ohnehin kein Geld verdient. Graham Hamilton, Vice President des Unternehmens, kündigte in seinem Weblog eine begrenze Unterstützung für Harmony an.

Der Initiator des Projekts, Geir Magnusson, wurde bereits eingeladen, auf der Entwicklerkonferenz Javaone 2005 einen Vortrag zu Harmony zu halten. Trotz einer gewissen Symphatie für das freie J2SE-Projekt zweifelt auch Hamilton an seinem Erfolg und verweist darauf, dass der Quellcode von Suns Implementierungen allgemein zugänglich sei. Für Hardliner wie Richard Stallman reicht dies jedoch nicht aus, weshalb er sich bisher gegen die Nutzung von Java für freie Software ausgesprochen hat. (ws)