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AOL verleibt sich Technologie-Blog TechCrunch ein

29.09.2010
Jetzt ist es offiziell: Das verlustreiche Internetunternehmen AOL übernimmt auf seiner Suche nach neuen Einnahmequellen das bekannte Technologie-Blog "TechCrunch" samt dessen Schwesterpublikationen.
"TechCrunch" ist eines der einflussreichsten Technologie-Blogs in den USA.
"TechCrunch" ist eines der einflussreichsten Technologie-Blogs in den USA.

Damit stärke AOL seine Stellung als Inhalteanbieter, teilte das US-Unternehmen am Dienstag in San Francisco mit. Über den Preis schwieg sich AOL aus. "TechCrunch"-Gründer und Chefredakteur Michael Arrington hat sich verpflichtet, noch mindestens drei Jahre an Bord zu bleiben. Seine Sicht des Verkaufs schildert er natürlich im eigenen Blog.

Am Morgen hatte bereits das "Wall Street Journal" über den sich anbahnenden Zukauf berichtet. AOL will weg vom Geschäft mit dem Internetzugang, das das Unternehmen in Dial-up-Zeiten groß gemacht hatte. Denn inzwischen sind die Telekomfirmen und Kabelnetzbetreiber übermächtig. Bei AOL liefen hohe Verluste auf, die Ehe mit dem Medienkonzern Time Warner scheiterte.

Seit einigen Jahren investiert AOL nun in Inhalte. 2005 hatte das Internet-Urgestein den TechCrunch-Rivalen Engadget übernommen. Die beiden Blogs gehören zu den einflussreichsten im Silicon Valley und haben Fans in der ganzen Welt. Neben "TechCrunch" hat AOL aktuell außerdem noch den Video-Content-Syndizierer 5 min Network sowie das Start-up Thing Labs übernommen, das mit "Brizzly" interessante Browser-basierende Social Software entwickelt hat.

Das eigentliche AOL-Geschäft schrumpft dagegen anhaltend. Werbekunden und Nutzer flüchteten zuletzt in Scharen - während die Konkurrenz sich reihum von der Krise im vergangenen Jahr erholte. Das Management versucht mit Einsparungen samt Massenentlassungen, die Auswirkungen einzudämmen. Aus Deutschland hat sich AOL ganz zurückgezogen.

Die vor 25 Jahren gegründete AOL war auf dem Höhepunkt der Internet-Euphorie mit dem Medienkonzern Time Warner fusioniert. Als die Dotcom-Blase platzte, geriet die 100 Milliarden Dollar schwere Verbindung in eine Krise. AOL wurde zu einer Randsparte des Konzerns. Letztlich entschied sich Time Warner für die Trennung. Seitdem ist AOL wieder solo börsennotiert. (dpa/tc)