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AOL plant Zukäufe in Europa

20.10.2006
Nach dem Verkauf seines Internet-Zugangsgeschäfts will das Online-Portal AOL in Europa auf Einkaufstour gehen, um sein Werbegeschäft zu stärken.

"Wir planen Akquisitionen in Europa. Wir sind aktiv auf der Suche nach Internet-Unternehmen", sagte AOL-Chef Jonathan Miller der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Die Gelegenheiten hier sind gut." Mit Zukäufen wolle das Portal seine Reichweite erhöhen und das eigene Werbenetzwerk Advertising.com ausweiten.

Konkrete Namen von eventuellen Übernahmekandidaten nannte Miller nicht. Bei künftigen Entwicklungen soll aber das Thema Video eine große Rolle spielen. In diesem Bereich kam dem Online-Portal zuletzt allerdings der große Konkurrent Google zuvor und kaufte das populäre Video-Portal YouTube. "Ich habe immer gesagt, dass YouTube ein grandioses Unternehmen ist", sagte Miller. "Aber nur Google konnte diesen Preis zahlen. Zum richtigen Preis hätte AOL YouTube liebend gerne übernommen." Die kleine Firma mit 67 Angestellten wird für 1,65 Milliarden Dollar in Aktien vom weltgrößten Suchmaschinenbetreiber übernommen.

Im September hatte Time Warner das Zugangsgeschäft von AOL Deutschland an die Telekom Italia und deren Hamburger Tochter HanseNet für 675 Millionen Euro verkauft. Miller will das Unternehmen strategisch nun stärker auf das Geschäft mit Werbung im Internet ausrichten. "Die Marge im Zugangsgeschäft beträgt 20 Prozent, im Werbegeschäft 50 Prozent", sagte Miller. "Und diese Marge steigt, wenn man die kritische Größe überschritten hat, weiter auf 60 bis 70 Prozent." Diese Größe liege bei einer Milliarde Dollar Umsatz, die AOL jetzt überschritten habe.

In der Online-Werbung gehört AOL inzwischen zu den großen vier im Internet neben Google, Microsoft und Yahoo. Den Rückstand auf die Wettbewerber will AOL bald aufholen: "Wir gewinnen Anteile am Online-Werbemarkt. Im zweiten Quartal sind wir um 40 Prozent gewachsen, Yahoo nur um 26 Prozent", sagte Miller. (dpa/mb)