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Bebo verkauft

AOL macht Schluss mit sozialem Netzwerk

17.06.2010
Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende: Nach dieser Devise hat der US-Internetkonzern AOL sein soziales Netzwerk Bebo abgestoßen.
Zur Unzeit gekauft: Bebo hatte nie eine Chance gegen Facebook, MySpace und Co.
Zur Unzeit gekauft: Bebo hatte nie eine Chance gegen Facebook, MySpace und Co.

Der kleine kalifornische Finanzinvestor Criterion Capital Partners griff zu. Über den Preis schwiegen sich beide Seiten am Donnerstag aus. Doch angesichts des Niedergangs von Bebo gilt es als sicher, dass die Summe nur einen Bruchteil der 850 Millionen Dollar beträgt, die AOL selbst vor zwei Jahren berappen musste.

Bebo gehört zu den teuersten Fehlgriffen in der wechselhaften Geschichte des Internet-Urgesteins AOL. Der Zukauf sollte AOL eigentlich helfen, den Wandel vom Internetzugangsanbieter zum werbefinanzierten Inhalteanbieter zu beschleunigen. Doch die Netzgemeinde machte nicht mit. Bebo verlor Millionen Mitglieder an Konkurrenten wie MySpace oder Facebook.

"Bebo ist bedauerlicherweise ein schrumpfendes Geschäft gewesen", schrieb der für Beteiligungen zuständige AOL-Manager Jon Brod denMitarbeitern bereits im April und kündigte an, sich auf die eine oder andere Weise von der Tochter trennen zu wollen. Selbst eine Schließung stand im Raum.

AOL kann es sich nicht leisten, Problemfälle durchzuschleppen. Das Unternehmen befindet sich nach der Loslösung von Time Warner im Umbruch und kämpft noch immer mit den Folgen der Wirtschaftskrise. Im November hatte AOL angekündigt, rund 2500 Stellen und damit ein Drittel aller Arbeitsplätze zu streichen. Aus Deutschland hat sich das Unternehmen ganz zurückgezogen.

Die harten Einschnitte zahlen sich langsam aus. Nach einem Minigewinn am Ende des vergangenen Jahres verdiente AOL im erstenQuartal unterm Strich wieder 35 Millionen Dollar. Um weiteres Geld in die Kasse zu bekommen, hat AOL erst vor zwei Monaten den bekannten Chat-Dienst ICQ für knapp 188 Millionen Dollar an russische Investoren verkauft. Anfang März hatte der Medienkonzern Axel Springer gemeinsam mit der Schweizer PubliGroupe die AOL-Verkaufsplattform buy.at übernommen. (dpa/tc)