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AOL-Einigung schmälert Microsofts Gewinn

18.07.2003
Microsoft hat im vierten Fiskalquartal elf Prozent mehr umgesetzt und 26 Prozent mehr verdient. Trotz fast 50 Milliarden Dollar Cash gibt es noch keine Pläne für eine höhere Dividende.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit 26 Prozent mehr Nettogewinn und elf Prozent mehr Umsatz im vierten Fiskalquartal trotzt Microsoft weiter erfolgreich der Branchenkrise. Der Profit wäre noch höher ausgefallen, hätte nicht die Einigung im Rechtsstreit mit AOL (Computerwoche online berichtete) das Ergebnis belastet. Der Konzern verriet außerdem wenig darüber, was er mit seinem weiterhin wachsenden Bargeldberg anzufangen gedenkt.

Für den Ende Juni abgeschlossenen Berichtszeitraum wies Microsoft einen Reigewinn von 1,92 Milliarden Dollar oder 18 Cent pro Aktie aus, darin enthalten eine Sonderbelastung in Höhe von 533 Millionen Dollar für die Übereinkunft mit America Online, das künftig Microsofts Internet Explorer als Browser-Standard verwendet und dafür die eigene Tochter Netscape abzuwickeln beginnt. Im Vorjahresquartal hatte Microsoft 1,53 Milliarden Dollar oder 14 Cent je Anteilschein verdient. Den Quartalumsatz steigerte Microsoft im Jahresvergleich von 7,25 auf 8,07 Milliarden Dollar. CFO (Chief Financial Officer) John Connors wies darauf hin, dass davon 255 Millionen Dollar auf positive Währungseffekte zurückgehen. Abzüglich dieser wären die Einnahmen um acht Prozent gestiegen.

In den beiden wichtigsten Produktbereichen Windows und Office konnte Microsoft jeweils unter anderem aufgrund des neuen Programms "Licensing 6.0" zulegen. Die Betriebssystemsparte steigerte ihre Einnahmen gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent auf 2,43 Milliarden Dollar, die Office Group legte um acht Prozent auf 2,35 Milliarden Dollar zu. Connors warnte (wie üblich), im laufenden Geschäftsjahr werde sich das neue Lizenzmodell nicht mehr ähnlich positiv bemerkbar machen. Der schwache Dollar werde sich gleichfalls nicht mehr so stark auswirken, und die Verkäufe des aktuellen Desktop-Betriebssystems "Windows XP" dürften langsam nachlassen.

Microsoft nannte erstmals Details zu den finanziellen Auswirkungen seines Anfang dieses Monats angekündigten neuen Gratifikationsprogramms auf Aktien- statt Optionsbasis (Computerwoche online berichtete). Für das laufende Geschäftsjahr, das Ende Juni 2004 endet, erwartet das Unternehmen einen Gewinn pro Aktie von 85 bis 87 Cent, Kosten von 3,9 Milliarden Dollar oder 24 Cent je Anteilschein nach Steuern eingerechnet. Diese Prognose lag leicht über der Erwartung der Analysten. Beim Umsatz peilt Microsoft für das laufende Fiskaljahr 34,2 bis 34,9 Milliarden Dollar an; die von Thomson First Call befragten Analysten gingen bislang von 33,9 Milliarden Dollar aus.

Einige Aktionäre dürften sich darüber ärgern, dass Microsoft keine Pläne bezüglich einer möglichen Dividendenausschüttung bekannt gab. Seine Bargeldreserven und kurzfristigen Investitionen zu Ende des vierten Quartals bezifferte der Konzern mit 49,05 Milliarden Dollar, das sind zehn Milliarden mehr als ein Jahr zuvor. "Wir hören sehr genau darauf, was uns die Aktionäre sagen, und das ist in den letzten sechs Monaten deutlich mehr geworden", erklärte Connors. "Solange wir aber einige anhängige Rechtsstreite nicht gelöst sehen, können wir längerfristig noch nichts ankündigen oder versprechen." Konkret erwähnte der Finanzchef in diesem Zusammenhang die Kartellermittlung der EU sowie die Java-Klage von Sun Microsystems.

Für das gesamte Geschäftsjahr summierte sich Microsofts Nettogewinn auf 9,99 Milliarden Dollar oder 92 Cent pro Aktie im Vergleich zu 7,83 Milliarden Dollar oder 70 Cent je Anteilschein im Vorjahr. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich von 28,37 auf 32,19 Milliarden Dollar. Bei Verbuchung der im Jahresverlauf ausgegebenen Aktienoptionen als Aufwand reduziert sich der Profit auf aktuell 7,33 Milliarden Dollar oder 68 Cent pro Aktie.

Microsoft veröffentlichte seine Bilanz nachbörslich. Zum Fixing an der Nasdaq notierte die Aktie des Unternehmens zuvor 83 Cent leichter bei 26,69 Dollar; im nachbörslichen Handel zog der Kurs bereits wieder auf 26,76 Dollar an. (tc)