ERP-Trend-Report

Anwender verzichten auf ERP-Schnickschnack

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Kosten spielen für Unternehmen eine überraschend geringe Rolle. Wichtiger sind Support und Stabilität. Viele arbeiten mit überalterten Systemen. Neue Service-Modelle stoßen auf wenig Gegenliebe, wie eine Umfrage von SoftSelect zeigt.
ERP-Systeme umfassen viele kleine Tools - die nur zu einem Bruchteil genutzt werden.
ERP-Systeme umfassen viele kleine Tools - die nur zu einem Bruchteil genutzt werden.

Als Schulnote wäre es wohl im Durchschnitt eine 3, die die Anwender ihrem Enterprise Resource Planning (ERP) geben würden. Befriedigend also, aber durchaus mit Potenzial nach oben, so lässt sich das Ergebnis einer Befragung des Hamburger Marktforschungsinstituts SoftSelect im Auftrag des Anbieters Infor Global Solutions zusammenfassen. So nutzen die Unternehmen die Funktionalitäten ihrer ERP-Systeme meist nicht voll aus, verpassen oft den optimalen Zeitpunkt für eine Erneuerung und nutzen Service-Angebote wie Software-as-a-Service (SaaS) noch kaum. Gleichwohl zeigen sie sich mehrheitlich durchaus zufrieden.

"Die Ergebnisse dieser Studie belegen, dass fast jedes Unternehmen unter Einsatz einer neuen ERP-Software Kosten reduzieren und die Produktivität steigern konnte", konstatiert SoftSelect-Geschäftsführer Michael Gottwald. "Dennoch setzt jedes vierte Unternehmen eine Software länger als zehn Jahre ein und nimmt so die hohen Wartungs- und Betriebskosten einer inkonsistenten, zeit- und kostspieligen Altlösung in Kauf."

Die Anwender verfallen in Sachen ERP offenbar nicht in Hektik – weder was neue Beschaffungsmodelle noch innovative technologische Spielereien angeht. Als Schüler wären sie mit der soliden Note Drei vollauf zufrieden, ohne zwingend nach besseren Zensuren zu streben. Transparenz und Zuverlässigkeit stehen mit 79 Prozent ganz oben auf der Liste der mit Hilfe von ERP erzielten Verbesserungen.

Am ERP-System interessiert dieser Basis-Nutzen offenkundig mehr als das Ausnutzen dessen, was alles möglich wäre. 29 Prozent der Befragten gaben in der Studie an, höchstens 60 Prozent der ERP-Funktionalitäten regelmäßig zu nutzen. Weitere 38 Prozent verzichten nach eigener Einschätzung auf immerhin ein Viertel der implementierten Tools. "Standardlösungen beinhalten demnach vielfach Funktionalitäten, die gar nicht genutzt werden", heißt es in der Studie. "Dies kann an mangelndem Interesse der Anwender an den weiteren Funktionalitäten liegen, aber auch an nicht optimal geschulten Usern."

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer Schwesterpublikation CIO. (ph)