IT-Ausgaben

Anwender sparen an externen IT-Services

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Die Krise hat Europa erreicht. Vor allem im IT-Dienstleistungsbereich wollen viele Firmen ihre Ausgaben kürzen und die Preise neu verhandeln.

Mehr als 40 Prozent der großen Unternehmen haben ihre IT-Budgets in diesem Jahr wegen des globalen wirtschaftlichen Rückgangs gekürzt. Das ergab eine Studie von Forrester Research, für die knapp 950 Senior IT-Manager in Nordamerika und Europa befragt wurden. 24 Prozent haben die frei verfügbaren Gelder eingefroren. Nur 28 Prozent der Befragten gaben an, dass die Wirtschaft keinen Einfluss auf ihre IT-Budgets habe.

Vor allem an den Ausgaben für IT-Dienstleistungen wird gespart: So erklärten 70 Prozent der Anwender, dass sie wahrscheinlich niedrigere Preise mit ihren Lieferanten aushandeln werden.16 Prozent sagten, sie hätten ihre IT-Serviceausgaben bereits gekürzt. Am härtesten trifft es die IT-Abteilungen der Finanzdienstleister: Fast die Hälfte (49 Prozent) hat laut Studie ihre Budgets gekürzt. In den Medien sowie der Unterhaltungs- und Freizeitindustrie gaben dies dagegen lediglich 39 Prozent der Befragten an.

Die Nachfrage der Großunternehmen ist laut Forrester bislang nur geringfügig zurückgegangen. Insgesamt bleibt die Nachfrage nach IT-Dienstleistungen stabil, so die Analysten:"Das ist kein Einbruch der Ausgaben auf breiter Front. Vielmehr zeigt der Einfluss der Wirtschaft auf die IT-Ausgaben große Unterschiede bezüglich Branche und Region", fasst John McCarthy, Vice President von Forrester Research und Principal Analyst, zusammen. "Im IT-Dienstleistungssektor hat der Rückgang bewirkt, dass Firmen ihre Preise neu verhandeln, selektiver bei der Wahl ihrer Provider geworden sind und ihre Ausgabenpläne sorgfältiger überdenken." Mit Preisrückgängen im IT-Servicebereich rechneten die Anwender aber nicht.

Die Sparmaßnahmen sind zwar in Nordamerika stärker verbreitet als in Europa. So hat fast die Hälfte der nordamerikanischen Unternehmen die IT-Budgets zusammengestrichen. Von ihren europäischen Kollegen sind es bislang nur 31 Prozent. Das kann sich inzwischen aber geändert haben: Die Untersuchung fand im zweiten Quartal statt, also noch bevor die sich verschlechternden ökonomischen Umstände Europa erreichten.

In bestimmten Bereichen wollen viele Anwender ihre Ausgaben weiter aufstocken. So planen 45 Prozent der befragten Unternehmen, die Nutzung des Application-Outsourcing zu erhöhen, 43 Prozent wollen mehr Infrastruktur-Services in Anspruch nehmen. Und 43 Prozent der Befragten haben vor, mehr Arbeiten ins Ausland zu verlagern. Von diesen wiederum wollen 14 Prozent die Nutzung aufstocken, 19 Prozent befinden sich derzeit in Pilotprojekten. Und 22 Prozent nehmen bislang noch keine Auslandsressourcen in Anspruch, verfolgen die Entwicklungen aber aktiv. Von den Firmen, die keine Arbeiten ins Ausland vergeben wollen, stellt die Mehrheit die Qualität der Arbeit in Frage.

Die Outsourcing-Zufriedenheit ist nach wie vor niedrig: Insgesamt sind zwar die meisten Unternehmen mit ihrer Entscheidung, Dritte zu nutzen, zufrieden. 52 Prozent der Befragten gaben jedoch an, ihre Erwartung hinsichtlich der Kosteneinsparungen seien enttäuscht worden. Als weitere Herausforderungen nannten die Unternehmen die oft schlechte Servicequalität (40 Prozent) sowie die Unfähigkeit des Lieferanten oder der Vertragsstruktur, sich schnell auf veränderte Unternehmensanforderungen einzustellen (35 Prozent).