Anwender lassen ERP II links liegen

04.03.2009
Deutsche Kunden interessieren sich kaum für die neueste Enterprise-Resource-Planning-Technik. Wichtiger sind handfeste Themen wie geringere Kosten, mehr Funktionen und effizientere Prozesse. Das ergab der "ERP Trend Report" von Softselect.

Rund drei Viertel der deutschen ERP-Anwender beschäftigen sich kaum (37 Prozent) beziehungsweise gar nicht (37 Prozent) mit dem Thema ERP II. Die Gründe sind laut der aktuellen ERP-Trend-Studie von Softselect vielfältig: Sie reichen von fehlendem Know-how über Befürchtungen, der organisatorische Aufwand sei zu hoch, bis hin zu fehlenden Rentabilitätsperspektiven. Dieses Ergebnis will jedoch nicht so recht zu den Anforderungen passen, die Anwender an die nächste Generation von Unternehmensplanungs-Software stellen.

Laut der Umfrage unter 120 Unternehmen fordern die Anwender, dass sich künftige ERP-Systeme flexibel an sich ändernde Geschäftsprozesse anpassen lassen sollen. Diesen Punkt bewerten über 90 Prozent der Befragten als wichtig beziehungsweise sehr wichtig. Außerdem müssten sich zusätzliche Anwendungen reibungslos in die bestehende ERP-Landschaft integrieren lassen (88 Prozent). Anwender achten auf die Kosten Teuer darf das Ganze allerdings nicht sein. 90 Prozent der ERP-Kunden sagen, es sei wichtig, die Folgekosten für Wartung, Support und Updates zu senken. Darüber hinaus müsse die künftige ERP-Anwendung die Prozesseffizienz verbessern (97 Prozent).

Dagegen besitzt das Outsourcing von ERP-Komponenten beziehungsweise die Nutzung von Business-Software in einem Software-as-a-Service-Modell (SaaS) für die meisten Anwender eine untergeordnete Priorität. Rund drei Viertel bewerten diese Themen als weniger wichtig (36 Prozent) oder gar als unwichtig (40 Prozent).

Grundsätzlich finden die ERP-Anwender ihre Business-Software gut. Die Hälfte äußerte sich zufrieden, 23 Prozent sogar sehr zufrieden. Auch den Service und die Kompetenz ihres ERP-Dienstleisters schätzen über 80 Prozent der Kunden als gut beziehungsweise sehr gut ein. Die Zufriedenheit der Anwender spiegelt sich auch in der Nutzungsdauer ihrer ERP-Anwendungen wider. Nur 19 Prozent der Systeme wurden nach 2005 eingeführt, weitere 31 Prozent zwischen 2000 und 2004. Immerhin 46 Prozent der ERP-Implementierungen sind zwischen zehn und 20 Jahre alt, vier Prozent sogar noch älter.

Angesichts der vielen betagten ERP-Anwendungen könnten in den kommenden Jahren etliche Migrationen und Wechsel anstehen. Gründe dafür sind laut der Umfrage in erster Linie fehlende Funktionen in den Altsystemen (26 Prozent) sowie deren mangelnde Weiterentwicklung (25 Prozent). An einen Umstieg denken die Anwender auch, wenn die bestehenden ERP-Programme zu wenig Flexibilität bieten (16 Prozent) und die Unzufriedenheit mit dem Support wächst (15 Prozent).

Fazit

"Kernziel des ERP-Wechsels bleibt die Reduktion der Kosten in der IT und auf Prozessebene", sagt Patrick Neumann von Softselect. Anpassungsfähigkeit und Flexibilität seien die wichtigsten Anforderungen an die künftigen Systeme. Auf technische Themen wie Integrations- und Infrastrukturaufgaben reagierten die Unternehmen eher, als dass sie sich aus eigenem Antrieb damit auseinandersetzten.

Mangelndes Interesse der Chefs und Zweifel an der Rentabilität verhindern Innovationen im Enterprise Resource Planning.
Mangelndes Interesse der Chefs und Zweifel an der Rentabilität verhindern Innovationen im Enterprise Resource Planning.

Kriterien für ERP II

• Ausreichende Flexibilität, um firmen- und standortübergreifende Prozesse abzubilden;

• Web-basierend;

• leicht skalierbar;

• Service-orientierte Funktionalität.