IT-Berater - nein, danke!

Anwender bevorzugt: Warum SAP-Profis die Seiten wechseln

ist freier Journalist in München
IT-Dienstleister können sich nicht mehr darauf verlassen, dass SAP-Berater bei ihnen arbeiten wollen. Anwender bieten inzwischen ebenso interessante Jobs.

Markus Pfaffinger ist SAP-Berater. Mit seinem beruflichen Profil und den bisher erworbenen Kompetenzen zählt er zu den Begehrten des IT-Arbeitsmarktes. Fachkräfte wie er, die sich mit der Software des weltweit führenden Anbieters von betriebswirtschaftlichen Lösungen auskennen, können sich die besten Jobs aussuchen. Den Arbeitsvertrag bei der Allianz Common Applications and Services GmbH (Acas) unterschrieb der einstige Capgemini-Consultant, weil der Konzern ihm zusätzlich zum attraktiven Gehalt weitere Argumente lieferte, die für einen Wechsel sprachen, wie interessante Weiterbildungskurse und gute Aufstiegsperspektiven.

Markus Pfaffinger, Allianz: 'Der Lifestyle des Consultants fordert seinen Tribut.'
Markus Pfaffinger, Allianz: 'Der Lifestyle des Consultants fordert seinen Tribut.'
Foto: Markus Pfaffinger, Allianz

Ob Versicherungen oder Stahlgiganten, Markenartikler oder erfolgreiche Mittelständler - Anwenderunternehmen werden zunehmend attraktiv für SAP-Berater. Irgendwann, wenn sie das dreißigste Lebensjahr hinter sich und das Leben aus dem Koffer satt haben, entdecken sie die Vorteile solcher Unternehmen. "Der Lifestyle des Consultant fordert seinen Tribut", bekennt Pfaffinger. "Die Attraktivität eines Lebens in Vier-Sterne-Hotels verblasst, wenn man nie zu Hause ist."

Dass die Reisebereitschaft mit den Berufsjahren erheblich abnimmt, beobachtet auch der Kölner Personalberater und Ex-Personalchef von Web.de, André Häusling. Deshalb empfiehlt er, "gleich beim Anwender zu arbeiten. Das wirkt sich auch positiv aufs Familienleben aus." Reisebereitschaft sei immer ein "Knackpunkt", wenn Häusling mal wieder einen SAP-Experten für eine offene Stelle sucht. Stets unterwegs zu sein, weg von zu Hause - aus dieser Tretmühle wollen immer mehr Berater heraus und stellen sich dann zum Beispiel beim Wäschefabrikanten Triumph in München vor. "Wer von einem Dienstleister kommt", sagt deren Personal-Managerin Gisela Zölch, "möchte in der Regel nur noch für eine Firma tätig sein und weniger reisen."

Thomas Peetz, Triumph: 'Ein junger Familienvater muss nur in Ausnahmefällen reisen.'
Thomas Peetz, Triumph: 'Ein junger Familienvater muss nur in Ausnahmefällen reisen.'
Foto: Thomas Peetz, Triumph

Dabei verlangt Triumph, das weltweit rund 40.000 Mitarbeiter beschäftigt und immerhin auf 125 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblicken kann, auch seinen SAP-Profis eine gewisse Mobilität ab. Steht etwa ein Roll-out in China oder Indien an, sind IT-Experten hin und wieder für einige Wochen unterwegs. "Dabei können wir aber gut auf individuelle Umstände eingehen", sagt Thomas Peetz, der das SAP Competence Center mit etwa 100 Mitarbeitern in München und Hongkong leitet. "Meist stellen wir die Teams so zusammen, dass zum Beispiel ein junger Familienvater seinen Wohnort nicht oder nur in Ausnahmefällen verlassen muss."