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Anwender begrüßen Oracles Linux-Visionen

24.04.2006
Die Ankündigung von Oracle-Chef Lawrence Ellison, er könne sich eine eigenes Betriebssystem auf Linux-Basis gut vorstellen, findet bei den Oracle-Nutzern offenbar Anklang.

Eine Oracle-eigene Linux-Version sei zweifellos die beste Plattform, um eine Oracle-Datenbank zu betreiben, meinte Tony Jedlinski, Executive Vice President der Independent Oracle Users Group (IOUG). Er würde nicht zögern, eine Linux-Version zu kaufen, wenn Oracles Name darauf stehen würde. "Ein Oracle-Linux würde dem Open-Source-Betriebssystem mehr Glaubwürdigkeit verleihen."

Die Spekulationen rund um eine Oracle-eigene Linux-Distribution hatte Mitte April Konzernchef Ellison selbst ins Rollen gebracht (siehe auch: Oracle hätte gern ein eigenes Linux). Gegenüber der "Financial Times" erklärte er: "Ich hätte gern einen kompletten Stack. Uns fehlt ein Betriebssystem. Man könnte argumentieren, dass es sehr sinnvoll für uns sein könnte, ein Linux zu distribuieren und zu supporten." Der Oracle-CEO räumte ein, eine Übernahme der Linux-Distributoren Red Hat und Novell/Suse zumindest angedacht zu haben. Diese Pläne hätte man aber angesichts der übertriebenen Marktkapitalisierung beider Anbieter wieder verworfen.

Die Anwender würden eine tiefere Integration zwischen Betriebssystem und Datenbank durchaus begrüßen, war aus den Reihen der IOUG zu hören. Die Idee eines kompletten Software-Stacks habe seinen Reiz, sagte IOUG-President Ari Kaplan. Dies würde eine bessere Leistung bedeuten und eine effizientere Verwaltung der Datenbanksoftware erlauben.

Einer Untersuchung der Oracle-Anwendergruppe zufolge könnte Linux im Laufe der kommenden zwölf Monate Solaris als dominierende Datenbankplattform ablösen (siehe auch: Oracle-Nutzer setzen verstärkt auf Linux). Bislang favorisierte die überwiegende Mehrheit der Oracle-Nutzer das Betriebssystem von Sun Microsystems. Es folgen Windows 2000 mit 40 Prozent und Windows Server 2003 sowie Linux mit jeweils 37 Prozent. Dieses Verhältnis könnte sich im kommenden Jahr jedoch ändern. Für 2007 nannten 44 Prozent der befragten Datenbankbetreiber Linux als Plattform Nummer eins, dicht gefolgt von Solaris mit 43 Prozent.

Neben den positiven Tönen zu Oracles Linux-Plänen gab es im Vorfeld einer IOUG-Tagung, die vom 23 bis 27. April in Nashville, Tennessee, stattfindet, aber auch kritische Kommentare über die aktuelle Oracle-Strategie zu hören. Demnach sei immer noch nicht eindeutig klar, wie die künftigen Anwendungs-Releases auf Basis der zugekauften Produkte von Peoplesoft inklusive J.D. Edwards, Retek, Siebel und anderen übernommenen Softwareanbietern aussehen werden, monierte John Matelski, Leiter der auf die Peoplesoft- und J.D.-Edwards-Anwendungen fokussierten Anwendergruppe Quest International Users Groups. Außerdem liege der Update-Pfad in Richtung Fusion noch im Dunklen. "Kein Nutzer möchte mehr Migrationen durchmachen als unbedingt notwendig", sagte Matelski. Mit Fusion verfolgt Oracle ein Vorhaben um auf Basis der eigenen Middleware eine Service-orientierte Architektur (SOA) aufzubauen.

Auf der Anwenderkonferenz im Süden der USA werden rund 5000 Teilnehmer erwartet. Das Forum soll die Interessen aller Oracle-Anwender, sowohl im Hinblick auf die Datenbanken wie die Applikationen, unter einen Hut bringen, so das Ziel der Veranstalter. Auch in Deutschland gibt es bereits Pläne der Anwendergruppen, eine gemeinsame Plattform zu schaffen (siehe auch: Oracle-Anwendergruppen formieren sich). (ba)