Netscape-Übernahme durch AOL steht im Mittelpunkt

Anwälte bringen neue Zeugen im Verfahren gegen Microsoft

30.04.1999
MÜNCHEN (CW/IDG) - Nach der Verhandlungspause im Monopolprozeß gegen Microsoft dürfte die Übernahme Netscapes durch AOL im Mittelpunkt des Interesses stehen, wenn das Verfahren am 10. Mai wieder aufgenommen werden soll. Vier hochrangige Manager dieser Firmen und der ebenfalls an der Transaktion beteiligten Sun Microsystems sollen vor dem Washingtoner Bezirksgericht aussagen.

Nachdem eine gütliche Einigung zwischen den Parteien bislang nicht zustande gekommen ist, bereitet sich Microsoft auf eine Fortsetzung des Verfahrens vor. Die Gates-Company scheint sich nach der Verhandlungspause, die voraussichtlich am 10. Mai endet, auf die Akquisition Netscapes durch AOL und die damit verbundene Kooperation mit Sun Microsystems konzentrieren zu wollen. Dem Redmonder Softwarekonzern erstünde damit ein ernstzunehmender Konkurrent, so die Argumentation.

In einem Dringlichkeitsantrag an Richter Thomas Jackson hatten Vertreter Microsofts die Aushändigung von Dokumenten zu der im März bekanntgegebenen Fusion gefordert. Jackson gab diesem Antrag statt.

Inzwischen steht fest, daß vier weitere Zeugen in dem Verfahren aussagen werden. AOL wird durch CEO Steve Case und den President für Interactive Services, Barry Schuler, vertreten sein. Sun Microsystems hat Vice-President Mike Popov, der maßgeblich an den Vertragsverhandlungen mit AOL und Netscape beteiligt gewesen sein soll, als Sprecher benannt. Für Netscape wird der ehemalige Chief Financial Officer und jetzige Executive Vice-President Peter Currie aussagen. Gerüchten zufolge wollen beide Parteien darüber hinaus erneut Wirtschaftsexperten als Zeugen aufbieten. Auch der CEO des PC-Herstellers Gateway, Ted Waitt, soll als Zeuge im Gespräch sein.

Microsofts Chefjurist Bill Neukom hat unterdessen zwar mitgeteilt, man sei weiterhin an einer außergerichtlichen Einigung interessiert. Gleichzeitig nannte der Anwalt aber eine Reihe von Bedingungen (siehe dazu auch Seite 46).

Das "Wall Street Journal" berichtet unter Berufung auf dem Prozeß nahestehende Quellen, das Verfahren werde möglicherweise nicht wie geplant am 10. Mai wiederaufgenommen. Beiden Seiten solle eine weitere Chance für eine gütliche Einigung eröffnet werden. Den Meldungen zufolge könnte es noch vor Prozeßbeginn zu einem erneuten inoffiziellen Treffen der beteiligten Juristen kommen.