Der Karriere-Ratgeber

Anrufen, nicht mogeln!

24.05.2011
Eine Entwicklerin möchte in Teilzeit arbeiten und erhält nur Absagen. Soll sie nun im Anschreiben ihr Ansinnen verschweigen, um überhaupt zu Vorstellungsgesprächen eingeladen zu werden?

"Ich habe einige Jahre als Entwicklerin gearbeitet, danach kamen zwei Kinder zur Welt, und jetzt nach ein paar Jahren Pause möchte ich wieder einsteigen - am liebsten in Teilzeit. Ich habe den Eindruck, dass man mit diesem Wunsch bei Arbeitgebern so gut wie keine Chanche auf Anstellung hat. Bisher erhielt ich nur Absagen. Bekannte, die mich und meinem Lebenslauf kennen, meinen, ich sollte diesen Wunsch im Anschreiben nicht erwähnen, um überhaupt die Chance zu einem Vorstellungsgespräch zu bekommen. Sie glauben, da ich eine starke Persönlichkeit sei, könnte ich auf diesem Wege mein Gegenüber dann doch von meinen Qualifikationen überzeugen. Sonst sei Teilzeit sei ein Ausschlusskriterium. Was meinen Sie, soll ich nun im Anschreiben meinen Wunsch verheimlichen und erst im Gespräch darauf eingehen?"

Silke Güting, Plaut: "Wecken Sie durch gezielte Anrufe das Interesse von potentiellen Arbeitgebern."
Silke Güting, Plaut: "Wecken Sie durch gezielte Anrufe das Interesse von potentiellen Arbeitgebern."
Foto: Plaut Consulting

Silke Güting von Plaut kann sich mit der Mogelei nicht anfreunden: "So weit ich die Marktlage überblicke, gibt es Unternehmen, die Softwareentwicklern auch Teilzeitstellen anbieten. Allerdings werden sie längst nicht so häufig ausgeschrieben wie Vollzeitstellen. Vermutlich bringt es wenig, wenn Sie sich auf eine Vollzeitstelle bewerben und dann im Gespräch mit Ihrem Teilzeitwunsch her-ausrücken. Damit können Sie Ihr Gegenüber eigentlich nur verärgern.

Anders könnte es sich gestalten, wenn Sie Ihre Dienste freiberuflich anbieten oder über Ihr Kontaktnetz nach einer neuen Aufgabe suchen. Oder versuchen Sie es mit einer Initiativbewerbung in einem Unternehmen, das Ihnen sehr zusagt. Durch einen gezielten Anruf könnten Sie beim Projektleiter Interesse wecken. Da könnte es schon sinnvoll sein, den Teilzeitwunsch erst beim persönlichen Kennenlernen zu nennen.

Sicher ist es hilfreich, sich im Vorfeld über das Geschäftsmodell Ihres potenziellen Arbeitgebers zu informieren. Bei Unternehmensberatungen und IT-Dienstleistern sind die Mitarbeiter oft die ganze Zeit beim Kunden eingesetzt. Da sich diese oft Vollzeitmitarbeiter für ihre Projekte wünschen, ist eine Teilzeitarbeit oft schwierig umsetzbar. Anders ist es bei Software- und Systemhäusern, die Module und Applikationen in Eigenregie entwickeln. Hier müssten sich bei der momentanen Arbeitsmarktlage auch für Wiedereinsteiger mit Teilzeitwunsch Möglichkeiten ergeben. (hk)