Web-Aktivisten

Anonymous nimmt die Gema vom Netz

22.08.2011
Die Website der Verwertungsgesellschaft Gema ist erneut unter Beschuss.

Web-Aktivisten der Anonymous-Gruppe haben sich am Montag zu dem Angriff bekannt. Sie wollen ein Signal setzten im anhaltenden Streit der Gema mit Googles Video-Plattform YouTube um Urheberrechtsabgaben. Wann die Website wieder verfügbar ist, sei bislang nicht abzusehen, teilte die Gesellschaft in einem Blog-Eintrag am Montag mit.

Die Gema-Website mit Youtube-Ironie von Anonymous
Die Gema-Website mit Youtube-Ironie von Anonymous

Die Website wird nach Angaben der Gema seit Sonntagnachmittag attackiert. Über längere Zeit war die Site gar nicht erreichbar. Zwischenzeitlich hatten die Aktivisten die Inhalte mit einem Hinweis blockiert, der ironisch auf den Streit um gesperrte Web-Videos abzielt: "Leider ist diese Seite (nicht nur) in Deutschland nicht verfügbar, da sie auf ein Unternehmen verweisen könnte, für das Anonymous die erforderlichen Freiheitsrechte nicht eingeräumt hat."

Der Text spielt auf den Streit zwischen der Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) und YouTube an. Die Gema und die YouTube-Mutter Google verhandeln bereits seit längerer Zeit über eine Vergütung für Musik-Videos auf der Plattform - bislang ohne eine Lösung. Zahlreiche Musikstücke sind deshalb für Nutzer in Deutschland gesperrt und nicht abspielbar. Youtube blendet beim Aufruf eines entsprechenden Videos den Hinweis ein, dass der Song nicht verfügbar sei, "da die Gema die Verlagsrechte hieran nicht eingeräumt hat".

Wie sich die Hacker Zugang zu der Website haben verschaffen könnnen, sei bislang noch nicht abschließend geklärt, teilte die Gema mit. Nach Informationen des Internet-Portals Gulli.com sollen die Aktivisten aber nach eigenen Angaben eine kritische Sicherheitslücke ausgenutzt haben. Erst im Juni war die Gema-Site Ziel einer DDoS-Attacke gewesen. Im aktuellen Fall handele es sich nicht allerdings um eine solche Blockade, sondern um eine Attacke auf die Inhalte des Webservers, erklärte die Gema.

Unterdessen haben die Anonymous-Aktivisten eine Botschaft auf YouTube hinterlassen und kündigen bereits "weitere Maßnahmen" an. "Wir haben keine Probleme damit, dass sie versuchen, den Künstlern und Plattenfirmen einen Gewinn zu verschaffen", heißt es dort zum Beispiel. "Aber Künstler brauchen gute Webvideos." Wenn die Gema ihre Position nicht ändere, "sehen wir uns gezwungen, weitere Maßnahmen einzuleiten". Zudem wollen sie Werkzeuge ins Netz stellen, mit denen sich gesperrte Videos trotzdem anschauen lassen. (dpa/tc)