Gegen Kommerz und Zensur im Internet

Anonymität durch Freenet

05.05.2000
MÜNCHEN (CW) - Eine Gruppe von Programmierern arbeitet an einem Untergrund-Internet. "Freenet" garantiert seinen Nutzern Anonymität und macht Zensur unmöglich.

Sie wollen die Freiheit der Information retten und damit Versuche von Unternehmen und Regierungen vereiteln, die Einfluss auf das Internet nehmen wollen: Die Initiatoren von "Freenet" bauen derzeit an einem Parallel-Internet, das eine Zensur von Inhalten unmöglich macht. Mit der Weiterentwicklung von Programmen wie "Gnutella" und der MP-3-Software "Napster" steht nun eine Technik zur Verfügung, die den Aufbau eines anonymen Netzes erlaubt.

Dabei stellen Interessierte Speicherplatz auf ihren Rechnern zur Verfügung, die so zu Freenet-Knotenpunkten werden. Ein einmal in das Netz eingegebener Inhalt wird immer auf den Computer verschoben, der dem des abrufenden Surfers am nächsten liegt. Somit wandern Dokumente, Musikstücke oder Videos immer an die Plätze, wo sie am meisten nachgefragt werden.

Während Teile der Öffentlichkeit nun befürchten, Freenet könnte sich zu einem Sodom und Gomorrha des Internet entwickeln, sehen Softwareunternehmen eher ihre wirtschaftlichen Internessen bedroht: Der ohnehin rege Online-Handel mit illegal kopierten Programmen könnte durch derartige Initiativen noch größere Ausmaße annehmen. Auch die durch das MP-3-Verfahren bereits gebeutelte Musikindustrie rechnet mit zusätzlichen Einnahmeverlusten. Skeptiker zweifeln allerdings am Erfolg von Freenet, da auf Teilnehmer, die ihren Rechner als Knotenpunkt bereitstellen, erhöhte Kosten für entsprechende Bandbreiten und Speicherkapazitäten zukämen. Laut Ian Clarke, einem der Freenet-Programmierer, haben in den letzten Wochen immerhin 20000 Surfer die entsprechende Software per Download angefordert.